Interview zur Rolle von Frauen in der Bundeswehr

Seit fast elf Jahren ist Leutnant Stephanie Lindemann bei der Bundeswehr. Während ihrer Arbeit beim Sanitätsdienst fühlte sie sich als Frau aber nie benachteiligt, berichtet die 36-Jährige im Gespräch mit Laura Engels.

Wie kommt man als Frau auf die Idee, zur Bundeswehr zu gehen?

Stephanie Lindemann: Im Prinzip war es damals der Grundgedanke, dass ich als gelernte Arzthelferin keine anderen Möglichkeiten hatte, mich zivil weiterzubilden und ich dann erfahren habe, das man als Arzthelferin zur

Bundeswehr gehen kann um dort auch sein Wissenspektrum zu erweitern.

Wie sieht ihr Arbeitsalltag derzeit aus?

Lindemann:Als Offizier des Militärfachlichen Dienstes bin ich zurzeit als Zugführer in einer Grundausbildungskompanie eingesetzt, wo ich sowohl Zeitsoldaten als auch Grundwehrdienstleistende an die Grundfertigkeiten des Soldaten heranführe. In Abwesenheit des Kompaniechefs übernehme ich die Führung der Kompanie.

Werden Sie anders behandelt als ihre männlichen Kameraden, gerade, wenn

Sie anderen etwas beibringen sollen?

Lindemann: Ich habe noch keine negativen Erfahrungen damit gemacht, dass ich als Frau hier nicht akzeptiert werden würde oder irgendwelche Äußerungen getätigt werden.

Das heißt, Sie haben noch nie einen dummen Spruch gehört?

Lindemann: Auf meine Person bezogen nicht. Sicherlich musste sich am Anfang der ein oder andere in seinen Äußerungen zurückhalten, aber mittlerweile ist es wirklich so, dass man sich mehr und mehr daran gewöhnt hat, dass Frauen in diesen Bereichen eingesetzt werden. Man strebt ja auch die Quote von 50 Prozent im Sanitätsdienst an. Am Anfang war das noch ein bisschen schlimmer. Wir haben jetzt zum Teil in einem Zug 60 Rekruten, davon sind 20 weibliche Soldaten. Die Anzahl hat sich im Gegensatz zu früher erhöht. Ich denke, dass es in der Kampftruppe noch anders ist, als im Sanitätsdienst. Dort hat die Frau als Soldat erst seit zehn Jahren Bestand und dort sind es derzeit 5,5 Prozent Frauen.

Spielt bei der Kampftruppe das Argument, dass Frauen körperlich unterlegen seien, eine größere Rolle?

Lindemann: Ich bezweifle, dass man heutzutage wirklich sagen kann, dass Frauen schwächer sind. Körperlich müssen sie das Gleiche leisten, mental sind sie manchmal sogar stärker als Männer. Bei uns sind auch oftmals Männer dabei, die früher aufgeben und Frauen, die mehr Kampfgeist haben. In der Kampftruppe ist der Kampfgeist bei Frauen möglicherweise noch größer.

Glauben Sie, dass man als Frau bei er Bundeswehr mehr Kampfgeist haben muss als ein Mann?

Lindemann:Nein. Ich kann nur vom Sanitätsdienst sprechen, da ist man eigentlich voll und ganz akzeptiert. Sicherlich gibt es auch Soldaten, die sich nicht richtig durchsetzen können, weil sie sehr zurückhaltend sind. Aber wenn man sich nicht alles gefallen lässt, wenn man auch zu seiner Meinung steht und sich beweisen kann, dann wird man auch sehr schnell akzeptiert. Das betrifft die Männer genauso wie die Frauen.

Werden Frauen im Ausland genauso akzeptiert?

Lindemann: In Ländern wie Afghanistan, wo die Kultur eine ganz andere ist, gibt es schon Dienstposten, wo man keine Frau einsetzt, weil sie dort von der Bevölkerung nicht akzeptiert werden würde. Das liegt aber dann wirklich an der Kultur im Einsatzland.

Quelle: wa.de

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