"Manche Kriminelle tendieren zu Waffengebrauch"

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WUPPERTAL - Schock in Wuppertal. Ein Autoknacker schießt ohne Vorwarnung auf die eintreffenden Polizisten. Der schwer bewaffnete Täter brachte sich anschließend selbst um. Volker Danisch sprach mit Stephan Hegger zu dem Vorfall vom Freitag.

Als zwei junge Polizisten in Wuppertal aus dem Streifenwagen steigen, eröffnet ein Autoknacker ohne Vorwarnung das Feuer auf sie. Der Einsatzleiter sprach von großem Glück, dass bei den Schüssen am Freitagabend keine Beamten schwer verletzt oder getötet wurden. Der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Nordrhein-Westfalens, Stephan Hegger, sieht im Interview der Deutschen Presse-Agentur "eine Tendenz bei einem Teil der Kriminellen, dass sie schnell von der Schusswaffe Gebrauch machen."

Müssen Polizisten immer häufiger mit einem Waffengebrauch rechnen?

Hegger: Der Schusswaffengebrauch von Polizisten ist sehr, sehr selten. Wenn die Schusswaffe gebraucht wird, geht es meistens darum, Tiere zu erlegen. Ein angefahrenes Wildschwein zum Beispiel. Trotzdem gibt es eine Tendenz bei einem Teil der Kriminellen, dass sie schnell von der Schusswaffe Gebrauch machen. Polizisten müssen jederzeit damit rechnen. Deshalb wird das regelmäßig trainiert. Die Polizisten haben außerdem eine Schutzweste, die wird unter dem Hemd getragen. Die ist schon sehr gut, deckt aber nicht alle Körperteile ab.

Welche unvorhersehbaren Situationen haben Beamte erlebt?

Hegger: Wir hatten in der Vergangenheit schon, dass Polizisten in eine Falle gelockt wurden, beispielsweise durch einen fingierten Unfall, um in den Besitz der Polizeiwaffen zu gelangen. In jüngster Zeit hatten wir auch den Fall, dass ein Mann mit Selbstmordabsicht die Polizei rief und dann mit seiner Waffe sofort auf den Kopf eines Polizisten zielte, damit er von den Beamten erschossen wird.

Wie können Polizisten solche Gefahren trainieren?

Hegger: In regionalen Trainingszentren wird auf projizierte Filmsequenzen geschossen, so dass die Beamten sehr realitätsnah üben können. Die Trainingszentren sind im Aufbau. Früher gab es in jedem Polizeipräsidium einen Schießstand. Jetzt ist das Land dabei, regionale Trainingszentren aufzubauen. Zum Beispiel trainieren die Düsseldorfer jetzt in Neuss. Wir brauchen landesweit etwa acht hoch spezialisierte Trainingszentren, um diese Ausbildungsmöglichkeit flächendeckend anbieten zu können. Etwa die Hälfte gibt es schon. Das Training heißt auch Schießen/Nicht schießen. Die Polizisten werden trainiert, erst mal andere Mittel einzusetzen als die Schusswaffe.

dpa

Quelle: wa.de

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