Junge Straftäter geflohen: Vorwürfe gegen Anstaltsleiter

DÜSSELDORF - Nach der Flucht von drei jungen Intensivtätern aus einer Modellanstalt in Dormagen sind Vorwürfe gegen den Anstaltsleiter laut geworden. Der sei mit dem Fahrrad hinter den Flüchtenden hergefahren, um sie zur Umkehr zu bewegen, berichtet die Deutsche Polizeigewerkschaft am Montag.

"Die in der Einrichtung tätigen Pädagogen lassen die Jugendlichen laufen und die Polizei muss sie wieder einfangen", kritisierte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Erich Rettinghaus.

Aus dem Justizministerium hieß es, die Polizei sei wenige Minuten nach der Flucht alarmiert worden. Der Anstaltsleiter sei Pädagoge und kein Vollzugsbeamter. Eine Festnahme der Straftäter auf eigene Faust könne von ihm nicht erwartet werden. Er habe sich durchaus bemüht, die jungen Gefangenen aufzuhalten.

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NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) hatte das Modellprojekt für den Jugendstrafvollzug am Freitag ausgesetzt. Die drei verbliebenen jungen Straftäter wurden in eine Haftanstalt nach Iserlohn verlegt. Kutschaty hatte den Stopp mit fehlender Unterstützung durch die Opposition begründet. Der Minister will nun mit den rechtspolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen über eine etwaige Fortführung des Modellversuchs sprechen.

Das Modellprojekt war parteiübergreifend von einer Fachkommission des Landtags empfohlen worden. "Jeder wusste, dass es zu Entweichungen kommen würde. Es war politischer Konsens, das in Kauf zu nehmen", hieß es aus dem Justizministerium. Ohne diesen Konsens könne das Projekt nicht weitergeführt werden. Die CDU hatte den Stopp des Projekts als "Kurzschlussreaktion" kritisiert.

Drei jugendliche Intensivtäter waren bereits nach wenigen Wochen aus dem offenen Vollzug in Dormagen geflohen, zwei von ihnen sind auch nach gut einem Monat weiterhin verschwunden. Die beiden 17-Jährigen waren im Projekt "Jugendvollzug in freien Formen" im Dormagener Raphaelshaus untergebracht. - lnw

Quelle: wa.de

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