Kein Sputnik V allein für Nordrhein-Westfalen

Armin Laschet will Impfreihenfolge in NRW abschaffen - Vorschlag stößt auf heftige Kritik

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet überrascht mit einem Vorstoß zur Impfreihenfolge. Er hat sich für ein rasches Ende der Priorisierung bestimmter Gruppen ausgesprochen.

Hamm - Wer wann in Nordrhein-Westfalen gegen Corona geimpft wird, ist vom Land in einer Impfreihenfolge festgelegt. Nachdem die Impfungen bei den Ältesten zunächst sehr schleppend vorangingen, kommt mit den Hausärzten etwas Tempo in die Sache. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) überraschte jetzt mit einer Forderung, die auf Kritik stößt. (News zum Coronavirus)

LandNordrhein-Westfalen
HauptstadtDüsseldorf
Einwohner17,93 Millionen (2019)

Impfreihenfolge in NRW: Armin Laschet fordert Aufhebung noch im Frühjahr

In der Bild am Sonntag sprach sich der CDU-Chef für ein Ende der Corona-Impfreihenfolge bis zum Sommer aus. „Wenn zum Ende des Frühjahrs die großen Impfstoffmengen kommen, sollten die Impfprioritäten fallen und die Impfungen für alle Menschen geöffnet werden. Das wäre ein wichtiger Baustein für die Brücke zu einem Sommer mit viel mehr Freiheit“, sagte Armin Laschet.

Er begrüße das bisher strenge Einhalten der Impfreihenfolge in NRW. Mit der strikten Priorisierung am Anfang habe man eine Schutzmauer für die Alten und Pflegebedürftigen errichtet. „So haben wir unzählige Leben gerettet“, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident.

Er selbst sei mit seinen 60 Jahren noch nicht geimpft. „Ich kriege täglich Briefe von Menschen, die eine Impfung viel dringender brauchen als ich und noch auf einen Termin warten“, sagte der CDU-Chef, der in der K-Frage die Unterstützung der Gremien erhält. „Aber es ist ein gutes Zeichen, wenn sich Politiker wie selbstverständlich nach der geplanten Reihenfolge impfen lassen.“

Impfreihenfolge in NRW: Vorstoß von Armin Laschet stößt auf Kritik

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte den Vorstoß des NRW-Ministerpräsidenten scharf. Sie will an der Priorisierung festhalten. Armin Laschet wolle die „ethische Impfreihenfolge zerlegen“, sagte Stiftungs-Vorstand Eugen Brysch am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. „Dabei sollte doch die Priorisierung garantieren, dass zunächst die Schwächsten als erstes geschützt werden.“

Schließlich - so Brysch - seien 90 Prozent der Corona-Toten älter als 70 Jahre. „Doch der Ministerpräsident hat es in seinem Bundesland nicht geschafft, allen 80-Jährigen im ersten Quartal ein Impfangebot zu machen“, sagte der Patientenschützer. Seit Anfang April sind in Nordrhein-Westfalen Impftermine für über 70-Jährige buchbar, gestaffelt nach Jahrgängen. Über Ostern hatte das Land Impftermine mit Astrazeneca für Ü60-Jährige freigegeben. Seitdem impfen auch die Hausärzte gegen Corona.

Auch Karl Lauterbach hält nichts von der Idee, die Impfreihenfolge zu ändern beziehungsweise ganz zu streichen. Diese Idee von Armin Laschet und anderen klinge populär, sei aber unethisch, schrieb der SPD-Gesundheitsexperte auf Twitter. So würden mehrere Menschen sterben. „Impfstoff, den Jüngere früher bekämen, fehlt Älteren und Risikopatienten“, bemängelte Karl Lauterbach.

Impfreihenfolge in NRW: Kein Sputnik V allein für Nordrhein-Westfalen

Auch der nordrhein-westfälische SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty sieht den Vorstoß von Armin Laschet kritisch. „Ich glaube nicht, dass es viel bringt, wenn dann zu Beginn des Sommers ein unkontrollierter Run auf den Impfstoff losgehen würde. Das könnte zu viel Durcheinander und auch Überlastungen in den Systemen führen.“

Einen Alleingang bei der Vorbestellung des russischen Impfstoffs Sputnik V lehnt Armin Laschet für Nordrhein-Westfalen ab. Das Vorpreschen der Bundesländer Bayern und Mecklenburg-Vorpommern kritisierte er in der Bild am Sonntag. „Ich finde es richtig, wenn die Bundesrepublik Deutschland nach klaren Kriterien Impfstoff für alle bestellt und nicht jeder nur für sich“, sagte er.

Thomas Kutschaty forderte dagegen, dass auch NRW bei Sputnik V aktiv werden solle. „Sobald die Zulassung durch die Europäische Arzneimittelagentur erfolgt ist, müssen auch wir raus aus den Startlöchern und dürfen anderen nicht dabei zuschauen, wie sie an uns vorbei laufen.“ (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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