In NRW und Deutschland

Stopp der Impfpriorisierung im Juni für Corona-Experten „definitiv zu spät“

Im Kampf gegen Corona wird die Impfpriorisierung im Juni aufgehoben. Geht es nach einem Experten, kommt diese Maßnahme deutlich zu spät.

Hamm – In Deutschland und Nordrhein-Westfalen nehmen die Corona-Impfungen langsam aber sicher Fahrt auf. Am Dienstag verkündete die NRW-Landesregierung, dass inzwischen ein Viertel der Bevölkerung eine Erstimpfung erhalten hat. Zuletzt wurde immer wieder die Impf-Reihenfolge heiß diskutiert. Mittlerweile steht fest: Die Impfpriorisierung wird zeitnah aufgehoben. Doch kommt dieser Schritt trotzdem noch zu spät? (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen
HauptstadtDüsseldorf
Einwohner17,9 Millionen

Impfpriorisierung im Corona-Kampf wird aufgehoben: Experte prangert Zeitpunkt an

Beim Impfgipfel am vergangenen Montag (26. April) wurde beschlossen, dass die Impfpriorisierung schon bald aufgehoben wird. Demnach soll die bisherige Priorisierung bei den Impfungen gegen das Coronavirus spätestens im Juni - möglicherweise aber auch schon Ende Mai - fallen. „Das heißt nicht, dass dann jeder sofort geimpft werden kann“, stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) klar. „Aber dann kann sich jeder um einen Impftermin bemühen, und die werden dann nach Maßgabe der Versorgung auch gegeben“, sagte die Regierungschefin am Montag nach dem Impfgipfel.

Die Impf-Reihenfolge in Deutschland aufzuheben, hält auch Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zentralinstitutes für die Kassenärztliche Versorgung, für richtig. Allerdings bemängelt er im Gespräch mit n-tv.de, dass diese Maßnahme deutlich zu spät kommt. „Juni wäre definitiv zu spät“, sagt Stillfried und fügt an: „Es geht darum, das Tempo nicht nur zu halten, sondern zu erhöhen“.

Impfpriorisierung in Deutschland: Bleibt dadurch vorerst Corona-Impfstoff übrig?

Noch könnten Ärzte laut Stillfried genügend Patienten finden, die unter eine der Priorisierungen fallen. Doch bis Ende Mai würde dies immer schwieriger werden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zählen lediglich 30 Prozent der deutschen Bevölkerung aufgrund ihres Alters zu einer Priorisierungsgruppe. Hinzu gibt es einige, die ob ihres Berufs in der Reihenfolge privilegiert werden. Bundesweit haben schon mehr als ein Fünftel der Deutschen eine Corona-Impfung erhalten.

Folge man der starren Priorisierung, so Stillfried, dürfte in der Zwischenzeit niemand anders geimpft werden. Das sei deshalb problematisch, weil es zu erhöhten Lagerbeständen führen könnte. Es bleibt die Frage zu klären, was in solchen Fällen mit den Impfresten passiert - das NRW-Gesundheitsministerium macht dazu klare Vorgaben.

Impfpriorisierung in Deutschland: Daniele Behrens (SPD) ist gegen die Aufhebung

Nicht alle sind von der Idee begeistert, die Impf-Reihenfolge einfach so aufzulösen. Daniela Behrens (SPD), Mitglied des niedersächsischen Landtags, hält die Maßnahme der Bundesregierung sogar für einen gefährlichen Weg, wie sie im Gespräch mit NDR Info betont. Nach wie vor zeige ein Blick auf die Todeszahlen in Deutschland, dass insbesondere Ältere und schwer Erkrankte betroffen sind. Es gehe darum, mit einer Priorisierung die Risikogruppen vor Corona zu schützen.

Zwar gebe es inzwischen mehr Impfstoff gegen Corona, als es noch zu Beginn des Jahres der Fall war. Allerdings sei dies immer noch nicht genug, um alle Menschen impfen zu können, die das möchten, so Daniela Behrens. Deswegen erhebt sie einen mahnenden Finger in Bezug auf die Aufhebung der Impfpriorisierung: „Das können wir nur dann machen, wenn wir genügend Impfstoff haben.“

Ob mit oder ohne Impfpriorisierung: Eine Prognose veranschaulicht, wann in Deutschland alle Menschen gegen das Coronavirus geimpft sein könnten. Der angegebene Stichtag geht dabei davon aus, dass kontinuierlich genügend Impfstoff nachgeliefert und zur Verfügung stehen wird.

Rubriklistenbild: © Felix Kästle/dpa

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