Beispielfälle Bergkamen und Hamm

Hundezählung gegen Steuersünder - Städte aktiv

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DÜSSELDORF/BERGKAMEN - Plötzlich hatte Bergkamen 328 Hunde mehr. Offiziell jedenfalls - tatsächlich lebten sie auch schon vorher dort. Gefunden wurden sie aber erst bei einer Hundezählung, die Steuermuffel entlarven sollte.

In Zeiten knapper Kassen zählt jeder Hund. Städte wie Bergkamen, Gronau oder Rheine lassen daher ihre bellenden Bewohner zählen. Je nach Anzahl bisher unangemeldeter Hunde und der jeweiligen Steuerhöhe kann diese Inventur dem Stadtsäckel mehrere zehntausend Euro zusätzlich bringen - wenn die Honorare für die Zähler berappt sind.

Mindestens 31.000 Euro zusätzlich dürfte beispielsweise die Stadt Bergkamen im nächsten Jahr einnehmen. Bei ihrer Hundezählung wurden im November 328 bisher unangemeldete Tiere in den Haushalten gefunden.

Befragungen von Tür zu Tür

Die Stadt hatte für diese Bestandsaufnahme eine Firma engagiert, die Befragungen von Tür zu Tür durchführte. "Wir wollten ein Signal setzen und zeigen, dass der ehrliche Zahler nicht der Dumme ist", sagt Stadtkämmerer Holger Lachmann über das Ziel der Aktion. Diese ehrlichen Zahler hatten zuvor genau 3855 Hunde registrieren lassen. Pro Jahr muss der Bergkamener Hundehalter 96 Euro für seinen Schützling an Steuern bezahlen. Beim zweiten Hund sind es bereits 108 Euro, beim dritten sogar 120 Euro.

In Gronau im Münsterland waren vor drei Jahren zu den gemeldeten 3000 Hunden 1300 dazugekommen. "Für Gronau bedeutet das 50.000 Euro mehr Einnahmen jedes Jahr", sagt Stadtsprecherin Lena Hüsing. In Bergkamen mit seinen 22.000 Haushalten liegt das Ergebnis indes unter den Erwartungen, wie Holger Lachmann erklärt: "Wir hatten auf eine höhere Dunkelziffer gehofft."

8 Mitarbeiter in Bergkamen unterwegs

Wie viele Tiere tatsächlich bei einer Bestandsaufnahme gefunden werden, ist je nach Stadt und Gemeinde unterschiedlich. Mal sind es an die 2000 Tiere, manchmal aber auch nur einige Hundert", sagt Hans Roseboom, Geschäftsführer des Adler Kommunalservice. Die Firma führte im Auftrag der Stadt die Zählung in Bergkamen durch. Mitarbeiter befragten jeden einzelnen Haushalt. "In Bergkamen waren wir sechs Wochen lang mit acht Mitarbeitern unterwegs", so Roseboom.

Auch andere Firmen bieten diese Dienstleistung mit einem ähnlichen Vorgehen an. In Gronau wurde etwa das Unternehmen Springer aus Düren aktiv. Auch Zählungen in Königswinter oder Düsseldorf haben sie übernommen. Zu den größeren Aufträgen von Adler Kommunalservice in Nordrhein-Westfalen zählen Hamm, Bochum und Aachen.

Als nächstes größeres Projekt führt die Firma im kommenden Jahr eine Bestandsaufnahme in Rheine durch.

Unfreundlicher Empfang die Ausnahme

Gelegentlich komme es dabei auch vor, dass die Befrager unfreundlich empfangen werden, sagt Roseboom. Lachmann berichtet in Bergkamen von Beschwerden, dass "die Obrigkeit hinterherschnüffelt", das seien aber nur einzelne Fälle.

Die Hundezähler träten freundlich auf. Diese erfassen bei ihren Besuchen die Daten mit einem Computer und leiten sie an die Stadt weiter. "Die Stadt kann die Informationen dann mit ihren Unterlagen abgleichen", erklärt Hans Roseboom das Verfahren.

Was mit den Steuersündern dann letztendlich passiert, hängt von der jeweiligen Stadt ab. Hundehalter müssen zum Beispiel mit einer nachträglichen Steuererfassung bis zu vier Jahre rückwirkend rechnen. Auch Bußgelder sind möglich.

Die zusätzlichen Einnahmen durch die bisher nicht gemeldeten Hunde seien im ersten Jahr meist kostendeckend und würden dem entsprechen, was an die Firma gezahlt werden müsse. "Im zweiten Jahr verdienen die Städte und Gemeinden dann drauf", so Roseboom. - lnw

Hintergrund zur Hundesteuer:

Wer sich eine Katze oder einen Wellensittich ins Haus holt, zahlt nur für das Futter. Hundehalter müssen zusätzlich noch eine Steuer berappen. Mit 180 Euro pro Hund und Jahr führt Hagen die nordrhein-westfälische Liste laut Daten von Bund der Steuerzahler und Städte- und Gemeindebund an, während Heek im Münsterland mit 24 Euro das Hundesteuerparadies ist.

Die Gesamteinnahmen aus der Hundesteuer, die bei den Kommunen bleibt, betrugen in NRW im vergangenen Jahr fast 96 Millionen Euro. Zur Spitzengruppe zählen noch Wuppertal und Mühlheim mit 160 Euro pro Hund, Essen, Oberhausen und Köln (je 156 Euro) sowie Bonn (150 Euro). Ebenfalls im oberen Drittel befinden sich die Ruhrgebietsstädte Dortmund, Bochum, Mönchengladbach, Herne, Gelsenkirchen und Bottrop.

Grundsätzlich kostet ein Hund vor allem in großen Städten viel Steuern.

Vergleichsweise wenig verlangen dagegen Gronau (42 Euro), Lemgo (50 Euro), Kleve (54 Euro) und Rheda-Wiedenbrück (55 Euro).

Einen Steuerrabatt für den Zweit- oder Dritthund gibt es übrigens nicht - im Gegenteil. Außerdem werden mancherorts bestimmte als gefährlich geltende Hunderassen deutlich höher besteuert.

Von der Hundesteuer befreit sind unter anderem Halter von Blindenhunden. Und wer sich für einen Hund aus dem Tierheim entscheidet, geht zum Beispiel in Iserlohn und Lippstadt drei Jahre lang steuerfrei Gassi.

Quelle: wa.de

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