FDP-Initiative in NRW

Schwule dürfen kein Blut spenden - Online-Petition

+

DÜSSELDORF - Homosexuelle Männer dürfen vorerst weiter kein Blut spenden. Erst im kommenden Jahr ist eine Änderung der Richtlinie der Bundesärztekammer, die Männer aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von Blut- und Knochenmarkspenden ausschließt, absehbar.

Von Robert Vornholt

Bereits im Dezember 2012 hatte der NRW-Landtag diese Ungleichbehandlung kritisiert und die Landesregierung aufgefordert, eine Anpassung der Richtlinie zu unterstützen. Dass so lange nichts geschehen sei, wertet die FDP-Landtagsabgeordnete Susanne Schneider als „ein Schlag ins Gesicht vieler homosexueller Männer, die bereit sind, Blut zu spenden“. Weil sie ein größeres Infektionsrisiko aufweisen, sind sie ausgeschlossen (siehe Info weiter unten).

Die Liberale, die das Thema mit einer Anfrage an die Landesregierung aufgegriffen hatte, verweist darauf, dass insbesondere in der Ferienzeit nahezu täglich über Blutkonservenmangel oder nachlassender Spendenbereitschaft berichtet werde. Aber: „Ganze Gruppen nur aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von der Spende auszuschließen, ist diskriminierend und für die FDP kein gangbarer Weg.“ Es müssten zeitgemäße Möglichkeiten gefunden werden, dass Spendenwillige zur Blutspende zugelassen und nicht grundsätzlich davon ausgeschlossen werden, fordert Schneider: „Dabei sollte das individuelle Risikoverhalten zählen und nicht die sexuelle Orientierung."

Die FDP-Gesundheitsexpertin begrüßt das Engagement der Initiative „Bunt Spenden“, die sich für Gleichberechtigung von bi- und homosexuellen Männern bei der Blutspende einsetzt. „Millionen von Menschen“ werden diskriminiert, heißt es im Text einer Online-Petition (hier geht's auf die entsprechende Internetseite). 50.000 Stimmen werden im Internet gesammelt, um Änderungen durchsetzen zu können. Nicht nur in Deutschland sind Männer, die Sex mit Männern haben, von der Blutspende ausgeschlossen.

Zur Erläuterung: Die anonyme Selbstkontrolle bei Spendeterminen, bei der angegeben wird, ob das Blut verwendet werden kann, wird etwa per Strichcode-Aufkleber organisiert. Dies Verfahren soll gewährleisten, dass einzelne Abgabewillige, die in Gruppen zu den Terminen gehen, nicht ihre Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe offenbaren müssen.

Wie homosexuelle Männer als Blutspender einbezogen werden können, sei von den Vorgaben abhängig, berichtet Heinz Kapschak vom DRK-Blutspendedienst West in Hagen. „Wir haben uns noch nicht positioniert.“ Auch der Fragenkatalog, den Blutspender immer wieder abarbeiten müssen, sei vorgegeben und deutschlandweit einheitlich, sieht der DRK-Sprecher keinen Spielraum für eigenes Handeln.

Stichwort Blutspender

Etwa drei Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind Blutspender. Ungefähr 4,5 Millionen Spenden werden jährlich von den verschiedenen Organisationen und Einrichtungen genommen; die Zahl der Menschen, die Blut abgeben, ist etwa halb so hoch. Nur Erstspender dürfen nicht älter als 68 Jahre sein. Darüber hinaus gibt es keine Altersgrenze mehr für den freiwilligen Aderlass. Aktuell gebe es einen Bedarf bei Negativ-Blutgruppen, aber keine Notsituation, erläutert Heinz Kapschak vom DRK-Blutspendedienst West in Hagen.

„Man gibt nicht mehr so schnell Blut wie noch vor einigen Jahren“, berichtet er von einer veränderten Praxis in den Krankenhäusern. Ein Grund dafür sind veränderte Behandlungsmethoden, etwa geringere Eingriffe durch endoskopische Untersuchungen. Folge: Die Nachfrage nach Blut ist um etwa acht bis zehn Prozent gesunken. Diese Tendenz werde sich mittelfristig wieder ändern, wenn die „Babyboomer“-Jahrgänge älter werden. Auch unter diesem Aspekt seien besonders junge Blutspender willkommen.

Hintergrund Risikogruppen

Das Blutspendeverbot für Homosexuelle hat seinen Ursprung im Jahr 1993. Damals starben mehr als 1000 Patienten an den Folgen HIV-verseuchter Blutkonserven. Jahre später verabschiedete der Bundestag das Transfusionsgesetz. Um Patienten vor HIV- oder Hepatitis-Infektionen zu schützen, unterliegt die Spendentauglichkeit seitdem strengen Kriterien. Ausgeschlossen sind Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, Prostituierte, Drogenabhängige und Männer, die Sex mit Männern haben oder hatten. Etwa 15 bis 25 Prozent der Anmeldungen werden aus diesen Gründen abgelehnt.

Die Sorge vor Infektionen ist statistisch nicht unbegründet: Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts leben in Deutschland 78.000 HIV-infizierte Menschen, 51.000 davon sind schwul. Einem UN-Bericht zufolge haben bis zu 7,5 Prozent der Schwulen Aids. Das Risiko von Neuinfektionen ist bei Homosexuellen rund 100-fach höher als bei Heterosexuellen - umso größer ist die Gefahr für die Patienten, denen das fremde Blut eigentlich helfen soll.

 (Quelle: n-tv)

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare