Hochwasser: Städte sollen Frei- und Grünflächen opfern

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Städte in NRW sollen bei Hochwasser Frei- und Grünflächen opfern.

BOCHUM - Ein Forschungsprojekt zum Umgang mit Starkregen empfiehlt Kommunen, die Wassermassen im Notfall auf Parkplätze und Grünflächen zu lenken. Es sei Abwägungssache, welche Schäden man in Kauf nehmen wolle, sagte Jochen Stemplewski, Vorsitzender der Emschergenossenschaft, am Mittwoch.

Grundsätzlich halten es die Experten für nötig, kurzfristig anfallende Regenmassen nicht vollständig in überlastete Kanäle zu leiten. Starkregen und Hochwasser haben zuletzt immer wieder massive Schäden in Nordrhein-Westfalen verursacht. Die Wasserverbände haben deshalb die Forschung zu dem Thema deutlich beschleunigt.

Auch Hauseigentümer und Unternehmen sind gefordert. Flachdächer, vor allem von Hallen, sollten begrünt werden und keinen Regenabfluss erhalten. Das binde große Mengen Wasser. Das Projekt "dynaklim", erarbeitet unter Federführung vom Forschungsinstitut für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen, macht für Kommunen und Wasserwirtschaft mehr als 200 Vorschläge, Starkregen glimpflicher ausfallen zu lassen.

Auf 120 Seiten hat das vom Bund unterstützte Projekt einen Handlungskatalog für die Zeit bis 2020 erarbeitet. Die ursprünglich für das Emscher-Lippe-Gebiet erarbeiteten Vorschläge seien beispielhaft auch für anderen Regionen und Kommunen. Mit den Maßnahmen sollen 15 Prozent des anfallenden Starkregens auf Ausweichflächen fließen. Die Kommunen würden daran bereits arbeiten und hätten mit sechs Prozent fast die Hälfte der Forderung erreicht, betonte der Lippeverband.

Einem früheren Trend wirkt das Projekt entgegen. Die Vergrößerung von Kanälen sei häufig sogar kontraproduktiv, hieß es. Größere Kanäle würden zu einer Verlagerung des Hochwasserproblems führen. Im schlimmsten Fall würden untenliegende Stadtteile überflutet, sagte Arndt Bock von der "Koordinierungsgruppe Klimawandel" der Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall. Das Projekt "dynaklim" schlägt nach dem Vorbild der Stadt Unna vor, Fließwegekarten zu erarbeiten. Darin werden Gefahrenhotspots aufgezeigt. - dpa

Quelle: wa.de

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