Hoaxmap.org sammelt und widerlegt Fake News

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NRW - Was ist eine "echte" Nachricht und wohinter verbirgt sich womöglich ein "Fake"? Spätestens seit der US-Präsidentschaftswahl treten Fake News immer mehr in den Vordergrund.

Sprachforscher kürten den Begriff "Fake News" jetzt auch zum Anglizismus des Jahres 2016 in Deutschland. Aber auch schon vorher traten "Falschmeldungen" in Bezug auf Flüchtlinge in Deutschland auf.

Diese Gerüchte über Flüchtlinge werden auf der Internetseite hoaxmap.org (zu Deutsch: Gerüchtekarte) gesammelt und auch gleichzeitig widerlegt. Bislang wurden dort 454 Gerüchte in ganz Deutschland eingezeichnet. In NRW sind es allein 75 Gerüchte.

Die wohl bekannteste Falschmeldung über Flüchtlinge wurde von dem für rechtspopulistische Äußerungen bekannten US-amerikanischen Portal Breitbart.com, dem US-Präsident Donald Trump nahesteht, gesteuert: Flüchtlinge sollten in der Silvesternacht 2016/17 die Reinoldi-Kirche in Dortmund in Brand gesteckt haben. "1.000 Mann-Mob setzt Deutschlands älteste Kirche in Brand" lautete die Breitbart-Überschrift. Die Dortmunder Polizeibehörde dementierte die Gerüchte. Weitere Beispiele solcher Gerüchte sowie deren Widerlegung finden Sie hier.

Karolin Schwarz, Initiatorin von Hoaxmap.org

Wir haben mit der Initiatorin von hoaxmap.org, Karolin Schwarz, über Fake News und deren Widerlegung gesprochen. Die 31-jährige Journalistin und Social-Media-Redakteurin hat 11 Jahre in Leipzig gewohnt und arbeitet nun in Berlin. Gemeinsam mit Lutz Helm setzt sie das Projekt "Hoaxmap.org" um.

Wie sind Sie dazu gekommen die Gerüchtekarte „Hoaxmap“ zu gründen?

Karolin Schwarz: Wir haben beobachtet, dass nach dem Sommer 2015 sehr viele Falschmeldungen in den sozialen Medien, allen voran Facebook, verbreitet wurden. Mit der Darstellung auf der Karte wollten wir einerseits zeigen, dass es sich dabei um ein neues Phänomen handelt - also dass mit Falschmeldungen das Diskussionsklima online vergiftet wurde. Außerdem wollten wir eine Art Nachschlagewerk schaffen, auf dem sich Menschen über die Gerüchte in ihrer Umgebung informieren wollten.

Wo gibt es die meisten „Fake-News“? Ihr Kollege Lutz Helm hat im Interview mit dem WDR gesagt, dass die meisten Gerüchte dort auftreten, wo die meisten Menschen leben und wo auch die meisten Geflüchteten angekommen sind. Ist NRW also besonders betroffen?

Schwarz: Tatsächlich führen Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen die "Rangliste" an. Das kann daran liegen, dass in allen drei Ländern wegen der hohen Bevölkerungszahl auch die meisten Erstanträge auf Asyl gestellt wurden. Bricht man die Gerüchte auf jeweils eine Million Einwohner herunter, kann man sehen, dass dann Thüringen und Sachsen die Liste anführen. In beiden Ländern haben rassistische Demonstrationen in den vergangenen Monaten zum Alltag gehört. Auch das spielt sicherlich eine Rolle.

Wie haben Sie alle der insgesamt 453 Falschmeldungen sammeln und auch widerlegen können?

Schwarz: Wir haben zunächst vor allem über Google und Twitter Widerlegungen ausfindig gemacht, die vor allem in regionalen Medien publiziert wurden. Seit der Veröffentlichung der Website im Februar 2016 werden uns auch immer wieder Falschmeldungen und Widerlegungen zugetragen. Wir prüfen die Meldungen dann auf ihren Inhalt und veröffentlichen diese, wenn genügend Informationen vorhanden sind, auf der Karte.

Lassen sich bei den Themen der „Fake-News“ regionale Unterschiede erkennen?

Schwarz: Es gibt insgesamt drei Schwerpunktthemen in den Falschmeldungen: Diebstähle und Raub, Geld- und Sachleistungen (als Beispiel: Geflüchteten werden teure Sportschuhe vom Amt bezahlt) und Vergewaltigungen. Einen regionalen Schwerpunkt können wir nur in einem Fall ausmachen: viele falsche Geschichten über Geld- und Sachleistungen werden in Bayern verbreitet.

Denken Sie, dass Sie mit „Hoaxmap“ den "Fake-News" den Wind aus den Segeln nehmen können?

Schwarz: Wir sind froh über jeden einzelnen Menschen, den wir mit der Karte erreichen konnten. Es gibt durchaus Menschen, die sich über "alternative" Medien eine ganz andere Wirklichkeit aufgebaut haben, aber eben auch solche, die durch Zuspitzungen und alarmierende Meldungen in sozialen Medien verunsichert sind und sich auch informieren wollen.

Wie reagieren die Menschen auf ihre Arbeit? Wurde Ihnen auch schon der Begriff "Lügenpresse" vorgeworfen?

Schwarz: Den Begriff "Lügenpresse" sehen wir häufig in Mails oder auf Twitter. Da außerdem auch rechte Bewegungen und Medien mit Falschmeldungen arbeiten, sind auch viele der Akteure nicht begeistert von unserer Arbeit. Da gibt es Beleidigungen und auch Bedrohungen. Das ist ja klar: wir versuchen, ihren Bestrebungen etwas zu entgegnen.

Hier geht es zur vollständigen deutschlandweiten Karte "Hoaxmap.org"

Quelle: wa.de

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