Hip-Hopper mit Behinderung: Trainieren für den WM-Titel

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Tänzer einer Tanzgruppe von Patsy Hull nehmen am Samstag an der Integrativen Deutschen Meisterschaft für Hip-Hop, Breakdance und Electric Boogie Dance in Lübbecke teil. Hull ist mit zwei integrativen Tanz-Gruppen an den Start gegangen und hat sich mit ihnen für den "World Cup" in Bochum qualifiziert.

BOCHUM - Trainieren für eine Tanz-WM: In Osnabrück machen das Behinderte und Nichtbehinderte seit Monaten gemeinsam. Erstmals geht es in Bochum ab Mittwoch bei den Para-Wettbewerben der Hip-Hopper um Titel.

"Eins, zwei, drei, vier", zählt Dijana laut den Rhythmus der Musik mit. Ihre Tanzpartnerin Alisa-Marie hört schlecht. Die beiden 18-Jährigen tanzen gemeinsam, Alisa-Marie aber braucht Dijana dringend als Musikverstärker. Die beiden trainieren in Osnabrück bei ihrer Tanzlehrerin Patsy Hull für die Weltmeisterschaften der Hip-Hopper. Vom 3. bis 7. Oktober streiten sich über 3400 Tänzer aus 33 Ländern in Bochum um die WM-Kronen in den Wettbewerben Hip-Hop, Breakdance und Electric Boogie. Teil der WM sind integrative Para-Wettbewerbe, bei denen Behinderte und Nichtbehinderte in gemischten Teams starten.

Die Bedingungen: Nichtbehinderte dürfen nur 50 Prozent der Tänzer einer Mannschaft stellen, und der Behinderungsgrad ihrer Partner muss mindestens 50 Prozent betragen. Patsy Hull trainiert neben Duos auch zwei Formationen. In ihnen tanzen jeweils 20 Jugendliche, darunter junge Leute im Rollstuhl, mit einer spastischen Lähmung, Down-Syndrom oder Autisten.

"Wenn wir mit den behinderten Jugendlichen trainieren, gestalten wir die Übungen etwas einfacher und das Einstudieren dauert etwas länger", erklärt Hull. Sie arbeitet in den Wochen vor dem großen Auftritt in Bochum dreimal pro Woche mit ihren Schützlingen. Und das sehr intensiv jeweils über drei Stunden. "Der Ehrgeiz ist sehr groß. Die Jugendlichen wollen nicht, dass die Zuschauer über sie lachen, wenn etwas nicht klappt. Sie verlangen deshalb von mir, dass ich sehr streng mit ihnen umgehe - sie wollen unbedingt gewinnen."

"Es kann plötzlich passieren, dass jemand seine Tanzschritte vergisst", erzählt Patsy Hull von der Arbeit mit ihren behinderten Schülern. Gemeinsam reißen es die Jugendlichen dann wieder 'raus.

Auch bei der WM in Bochum. Außerhalb der Para-Wettbewerbe kommen dort die besten Vertreter im Hip-Hop aus Südafrika. Das Land am Kap stellt die Weltranglisten-Ersten und die amtierenden Weltmeister. Die Engländer reihen sich auf Platz 2 ein, Deutschland folgt auf Platz 3. Die US-Tänzer sind die eigentlichen Stars der Szene. Aber sie fordern horrende Antrittsgelder und tummeln sich lieber auf Profiveranstaltungen jenseits des Atlantik.

Die Regeln in Bochum bestimmt die International Dance Organisation (IDO). Die jüngsten Teilnehmer sind Kinder bis 11 Jahre. Die 12- bis 15-jährigen sind die Junioren und ab 16 Jahren starten die Teilnehmer im Hauptfeld. Und dann wird noch nach Kategorien unterschieden. Es gibt die Solisten, Duos, Gruppen mit 3 bis 7 und Formationen von 8 bis 24 Tänzern. Die Musik gibt der Veranstalter vor, nur die Formationen haben Wahlfreiheit. Bei den Wettbewerben unterscheiden die Tänzer nach Hip-Hop, Breakdance und Electric Boogie. Beim Hip-Hop steht der Tanz im Mittelpunkt. Die Szene lässt sich immer wieder inspirieren durch neue Einflüsse von Sängern, Musikvideos und Choreographen. Der Breakdance ist mehr Akrobatik. Und bei den Battles (direktes Antreten der Breakdancer gegeneinander) zählt nur das nächste waghalsige Stück, mit dem der Gegner überboten wird. Die Starter im Electric Boogie ähneln in ihren Bewegungen Robotern, die über die Bühne fegen als hätten sie keine menschlichen Gelenke. - lnw

Quelle: wa.de

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