Herzdame gegen Kopfmensch: TV-Duell mit wenig Emotion

KÖLN - TV-Duell in NRW: Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl erlebten die Fernsehzuschauer Hannelore Kraft und CDU-Herausforderer Norbert Röttgen als Faktenschleudern. Über weite Strecken wirkte das Duell wie ein Experten-Disput

Vulkanhalle heißt der Schauplatz des TV-Duells zwischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und CDU-Herausforderer Norbert Röttgen (CDU). Ein verheißungsvoller Name, doch Gefühlsausbrüche gibt es nicht. Über weite Strecken wirkt die einstündige Sendung wie ein Disput unter Fachleuten.

Am Montagabend um kurz nach acht postieren sich die Kontrahenten hinter ihren Pulten in der alten Fabrikhalle in Köln-Ehrenfeld. Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren, am 26. April 2010, stand Kraft hier schon einmal. Gleicher Anlass, gleiches Studio. Der Mann ihr gegenüber hatte auch graue Schläfen, aber er hieß nicht Röttgen, sondern Rüttgers. Damals war Kraft die Angreiferin und trug einen knallroten Blazer. Jetzt hat sie sich für Anthrazit entschieden. Mit rotem Kleid darunter. Sie ist jetzt die Amtsinhaberin.

 WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn hat den beiden vor der Sendung gesagt, er und seine Co-Moderatorin Gabi Ludwig hätten natürlich „reichlich Fragen, aber Sie sind herzlich eingeladen, miteinander zu streiten“. Tatsächlich kommt es daraufhin schon in den ersten fünf Minuten zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf Kraft unter anderem sagt, das was Röttgen da behaupte, sei „Unsinn“. Folgen können der Debatte über weite Strecken nur Eingeweihte. Kraft (50) und Röttgen (46) hauen sich Zahlen und Fachbegriffe um die Ohren. Kraft spricht von „Konnexität“, Röttgen von „sächlichen Verwaltungsausgaben“. Einmal sagt Röttgen, um wieder auf Inhaltliches zu kommen: „In den Zahlen sind wir uns einig.“ Kraft widerspricht: „Nein, sind wir uns nicht.“

Und weiter geht's. Kraft hatte sich bisher im Wahlkampf aufs Landesmütterliche verlegt, ihr Motto heißt „NRW im Herzen“. An diesem Abend wirkt die Herzdame vor der Kamera jedoch auch sehr geschäftsmäßig, vor allem zu Beginn. Zwar spricht sie häufiger als Röttgen von den Menschen, die bei ihr im Mittelpunkt stünden. Aber im Übrigen spult sie ebenso wie er ihre Statements ab. Es ist eher die Mimik, die sie von Röttgen unterscheidet. Sie lächelt häufiger, schüttelt auch mal mit dem Kopf, runzelt die Stirn, erlaubt sich Sätze wie „Sie haben das verbaselt“. Einmal lacht sie über ihn: „Haha!“

Röttgen ist ganz Kopfmensch. Er versucht, als seriöser Analytiker zu punkten. Auf harte Angriffe verzichtet er - man weiß schließlich: So was mögen die meisten Zuschauer nicht, vor allem wenn die Attackierte eine Frau ist. Etwas Spott hin und wieder ist alles, was er sich erlaubt. Allerdings unterbricht er Kraft oft oder murmelt missbilligend vor sich hin. Ein bisschen wirkt er wie der Klassenprimus, der darauf pocht, dass er im Rechnen eine Eins hat: „Das Ergebnis ist null. Absolut null. (...) Ich sag ja nur, das Ergebnis ist null.“ Am Ende fragen die Moderatoren, was die beiden Kontrahenten am anderen schätzen. Kraft antwortet, bei den Verhandlungen zum Schulkonsens habe man gut zusammengearbeitet und sich „auch schätzen gelernt“. Röttgen sagt es einen Tick weniger freundlich, indem er darauf pocht, dass die SPD hier auf Vorschläge der CDU eingegangen sei. Kraft schaut anschließend noch bei der mittleren Journalisten-Kompanie vorbei, die sich im Nebenraum versammelt hat. Am Anfang sei sie ein kleines bisschen nervös gewesen, gibt sie zu. Ihr Gefühl? „Ich bin zufrieden.“ Und Röttgen? Der natürlich auch. Es ist wie immer: Ein Duell, zwei Sieger.

Quelle: wa.de

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