Lokführer in Bad Berleburg handelte "instinktiv richtig"

Nach irrer Attacke mit Gullydeckeln: So ramponiert sieht der Triebwagen jetzt aus

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[Update 14.07 Uhr] Bad Berleburg - Nach der Gullydeckel-Attacke auf einen Regionalzug der Hessischen Landesbahn (HLB) in Nordrhein-Westfalen hat sich das Unternehmen geschockt gezeigt.

"Das war ein ungeheuerlicher Anschlag, bei dem bewusst der Tod eines Menschen in Kauf genommen wurde. Es handelt sich um keinen sogenannten Dumme-Jungen-Streich. Das ist jemand geplant und mit krimineller Energie vorgegangen. Wir sind sehr betroffen und erschrocken", sagte HLB-Sprecherin Sabrina Walter am Montag in Frankfurt. 

"Wir würden gern wissen, ob es uns zufällig getroffen hat oder die HLB bewusst geschädigt werden sollte." Ein Erpresser- oder Bekennerschreiben liege aber nicht vor. 

Unbekannte hatten in der Nacht zum Samstag mehrere Gullydeckel von einer Brücke herab an Seilen über den Schienen aufgehängt, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Mindestens ein Gullydeckel durchschlug die Frontscheibe eines Zuges, der zwischen Bad Berleburg und Erndtebrück in NRW fuhr. 

Der 49-jährige Lokführer wurde leicht verletzt. Die Behörden sprechen von einem Mordversuch. Wegen einer geplanten Leerfahrt waren keine Fahrgäste an Bord der Bahn. Der Lokführer erlitt laut HLB einen mittelschweren Schock. Er sei krankgeschrieben und erhole sich derzeit zu Hause. Betreut werde er vom Notfall-Management des Unternehmens. "Wir sind heilfroh, dass durch seine geistesgegenwärtige Reaktion nichts Schlimmeres passiert ist." 

Der betroffene Zug werde derzeit in einer Werkstatt in Siegen untersucht. Nach erster Schätzung liegt der Sachschaden bei mindestens 20.000 Euro, wie die Sprecherin sagte.

Hier lesen Sie unsere ursprüngliche Berichterstattung

Mehrere herabhängende Gullydeckel haben auf einer Strecke der Hessischen Landesbahn die Frontscheibe eines Zuges durchschlagen. Staatsanwaltschaft und Polizei werteten die Tat in einer gemeinsamen Mitteilung am Samstag als Mordversuch.

Demnach waren die Gullydeckel auf Höhe der Fahrerkabine an Seilen an einer Brücke auf der Strecke zwischen Bad Berleburg und Erndtebrück festgebunden. Der 49-jährige Lokführer habe "instinktiv richtig" gehandelt und deshalb nur leichte Verletzungen erlitten.

In dem Zug waren wegen einer geplanten Leerfahrt keine Fahrgäste. Eine Mordkommission der Polizei in Hagen übernahm die Ermittlungen. Der Vorfall ereignete sich am Samstag gegen 6.25 Uhr an der Brücke "Am Steinchen". Die Zugstrecke führt von Bad Berleburg in Nordrhein-Westfalen über Siegen nach Altenkirchen in Rheinland-Pfalz.

Gullydeckel in Hilchenbach gestohlen

In der Nacht zum Freitag waren den Angaben zufolge in der Stadt Hilchenbach auf der Kreisstraße 31 zwischen den Ortsteilen Allenbach und Grund vier Gullydeckel gestohlen worden. 

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntagvormittag mitteilten, wurde am Samstag ein weiterer Gullydeckel gefunden und sichergestellt - diesmal im Bereich des Berleburger Schulzentrums am Stöppelsweg. "Nach ersten Erkennntissen wurde dieser aufgefundene Gullydeckel ebenfalls in der Nacht auf Freitag (12.04.2019) im Bereich der Kreisstraße 31 in Hilchenbach-Grund entwendet", heißt es. 

Von dieser Brücke in Bad Berleburg hängten die Täter die Gullydeckel.

Die Ermittler suchen jetzt nach Zeugen, die die Diebstähle der Gullydeckel oder verdächtige Personen an der Brücke in Bad Berleburg beobachtet haben. Außerdem interessiert die Polizei, wer wann in Grund und Allenbach die fehlenden Gullydeckel und die offenen Gullyschächte im Bereich der K31 bemerkt hat. - mit dpa

Hinweise nimmt die Polizei unter der Rufnummer 02751/909-0 entgegen.

Quelle: wa.de

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