So viele Opfer wie noch nie

Traurige Bilanz im Corona-Jahr 2020: 44 Tote durch häusliche Gewalt in NRW

Trauriger Rekord: Im Corona-Jahr 2020 starben 44 Menschen in NRW durch häusliche Gewalt. Das Landeskriminalamt legt erschreckende Zahlen vor.

Düsseldorf - Im Jahr 2020 sind in Nordrhein-Westfalen 44 Menschen an den Folgen häuslicher Gewalt gestorben. Sowohl bei der Zahl der angezeigten Delikte als auch der bekannt gewordenen Opfer erlebte die Statistik einen traurigen Höchststand. Innenminister Herbert Reul stellt einen Zusammenhang zur Corona-Pandemie her. (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Einwohner17,93 Millionen
HauptstadtDüsseldorf

44 Tote durch häusliche Gewalt in NRW im Corona-Jahr 2020

Kriminalisten nennen es „Dunkelfeld“: Viele Taten häuslicher Gewalt werden aus ihrer Sicht schlicht nicht gemeldet. Um dennoch etwas Licht hineinzubringen, hat das Landeskriminalamt (LKA) von NRW für das Corona-Jahr 2020 erstmals ein Lagebild erstellt. Es ist ein trauriges. Im vergangenen Jahr sind 44 Menschen in Nordrhein-Westfalen an den Folgen häuslicher Gewalt gestorben.

Laut Lagebericht des LKA ist die Zahl der gemeldeten Delikte im ersten Corona-Jahr um 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 29.155 gestiegen. Die Aufklärungsquote liegt bei mehr als 99 Prozent.

Mit 70 Prozent war die Mehrheit der Opfer weiblich, 30 Prozent waren männlich. Die meisten wurden Opfer einfacher Körperverletzung (64 Prozent), gefolgt von gefährlicher und schwerer Körperverletzung (14,3 Prozent) und Bedrohung (8,8 Prozent). 4,5 Prozent der Fälle drehten sich um sexuellen Missbrauch von Kindern oder Misshandlungen.

Häusliche Gewalt in NRW: Opfer sind vor allem Frauen, Täter vor allem Männer

Insgesamt 100 Menschen wurden Opfer eines versuchten oder vollendeten Mordes oder Totschlags im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Davon waren 58 Opfer weiblich und 42 Opfer männlich. Von den 100 Opfern verstarben laut LKA insgesamt 44 - wobei mit der Zahl 29 die Mehrheit weiblich war. In fast allen Fällen (99,38 Prozent) wurden Tatverdächtige ermittelt - insgesamt 27.543. Mehr als 76 Prozent waren männlich, etwa 23 Prozent weiblich. Der Großteil der Täter war zwischen 21 und 64 Jahren alt.

In mehr als 10.000 Fällen wurden die Opfer vom Ehepartner angegangen, oft auch vom Partner oder Ex. 5.250 Mal wurden Kinder Opfer ihrer Eltern, 3.370 Mal Eltern ihrer Kinder - wobei die Statistik an diesem Punkt nicht sagt, ob sie jedes Mal bereits erwachsen waren. Insgesamt ist der Anteil von Kindern unter 14 Jahren bei der Zahl der Täter verschwindend gering (0,9 Prozent).

Häusliche Gewalt in NRW: Corona-Einschränkungen als Faktor?

Sowohl bei der Zahl der angezeigten Delikte häuslicher Gewalt als auch der bekannt gewordenen Opfer erlebte die Statistik 2020 einen Höchststand. Ob das mit der Corona-Pandemie und den Lockdowns einhergeht, bewertet das LKA in dem Lagebild nicht. Es bildet nur Zahlen ab, ohne sie zu erklären.

„Vielleicht sind es die räumliche Enge und die fehlende Möglichkeit, sich aus dem Weg zu gehen - vielleicht auch der gestiegene Alkoholkonsum“, hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) der Rheinischen Post zu möglichen Ursachen gesagt.

Möglicherweise habe die Aggression während der Corona-Pandemie insgesamt zugenommen oder Taten würden eher angezeigt. „Das müssen und werden wir genau im Auge behalten. Das Erfassen der Datenlage ist nur ein erster Schritt, um weitere Schritte zu unternehmen“, so Reul.

Aktuell gilt bundesweit eine Corona-Notbremse. Die Regelungen betreffen viele Aspekte des Alltags wie eingeschränkte Autofahrten durch die Ausgangssperre, Besuche beim Friseur oder im Gartencenter.

Rubriklistenbild: © Christin Klose/dpa

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