400 Fahnder im Einsatz

Erneuter Schlag italienische Baumafia in NRW

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Unter anderem wurde diese Luxus-Villa auf Sizilien beschlagnahmt.

NRW - Sie gründet Scheinfirmen, beschäftigt Strohmänner und arbeitet mit Scheinrechnungen und Schwarzgeldkonten: Die italienische Baumafia zieht in Deutschland mit an den Fäden. Fahnder haben jetzt erneut einer Bande das Handwerk gelegt.

Der deutschen Polizei ist erneut ein schwerer Schlag gegen die italienische Baumafia gelungen. Am Donnerstag rückten 400 Polizisten und Steuerfahnder mit Unterstützung von Spezialeinheiten zu Razzien in zahlreichen Städten in Nordrhein-Westfalen aus. Ziel waren Wohn- und Geschäftsräume italienischer Baufirmen vor allem im Kölner und Dortmunder Raum, aber auch in Hamm. Zeitgleich starteten italienische Polizisten Durchsuchungen auf Sizilien, wie Staatsanwaltschaft und Polizei in Köln mitteilten.

Bereits vor zwei Jahren war den Ermittlern ein ähnlicher Schlag gelungen. Fahnder hatten damals bei Razzien in mehreren Bundesländern zehn Verdächtige verhaftet. Der Schaden, den die Bande in Deutschland angerichtet hatte, lag damals wie heute bei rund 30 Millionen Euro. Der Schwerpunkt der Razzien lag erneut in Köln.

Im neuen Fall sollen die Beschuldigten, vor allem Sizilianer, 24 sogenannte Strohmannfirmen gegründet haben. Allein in NRW seien bisher elf Haftbefehle vollstreckt worden, teilte die Polizei mit. Auf Sizilien wurden sechs Verdächtige aufgespürt. "Die Staatsanwaltschaft Köln wird die Auslieferung der Festgenommenen nach Köln betreiben", erklärten die Ermittler.

Spezialisten seien in NRW und Italien dabei, die illegal erwirtschafteten Gewinne abzuschöpfen. "Unter anderem wird eine Luxus-Villa auf Sizilien beschlagnahmt", hieß es. Kopf der Verdächtigen soll ein 39 Jahre alter Sizilianer sein, der seine Geschäfte von einer italienischen Gaststätte in Köln aus gelenkt haben soll. Neben den illegalen Baugeschäftspraktiken werfen die Behörden ihm noch Kokainhandel, Schusswaffengebrauch, Handel mit falschen Führerscheinen und Warenkreditbetrügereien vor.

Die Masche ist immer gleich: Die Rädelsführer gründen angebliche Baufirmen und setzen Strohmänner als Geschäftsführer ein. Über diese Gesellschaften werden unter anderem Schwarzarbeiter beschäftigt, Scheinrechnungen erstellt und Gelder gewaschen. So werden Finanzamt und Sozialbehörden um Millionenbeträge geprellt. Auch am Markt etablierte Baufirmen wurden als Kunden der Baumafia enttarnt. Die Polizei hatte schon beim ersten Schlag betont, dass die heimische Bauindustrie von hoch organisierten italienischen Gruppierungen unterwandert sei.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft nutzte den Fall, um Fordereungen an die Politik zu stellen. "Die Vorratsdatenspeicherung ist ein unverzichtbares Instrument, um Tatzusammenhänge und Hintermänner schneller zu erkennen und so mafiöse Strukturen zu zerschlagen. Leider wird die erforderliche Gesetzgebung durch die Bundesjustizministerin blockiert", sagte NRW-Landeschef Erich Rettinghaus. - lnw

Quelle: wa.de

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