Nach massiven Sachbeschädigungen

Großeinsatz im Bahnhof Bönen: Polizei räumt RE7 mit Paderborner Randale-Fans

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[Update: Sonntag, 15.30 Uhr] Bönen - Ein Hubschrauber der Bundespolizei kreiste am Samstagabend über dem Bahnhof Bönen, während mehr als hundert Polizisten der Bundes- und Landespolizei in einem gemeinsamen Großeinsatz ab 19.43 Uhr 152 stark randalierende Fans des SC Paderborn aus dem inzwischen völlig demolierten Regionalexpress RE 7 holten.

Dass der Zug in Bönen gestoppt wurde lag daran, dass die Randalierer in Hamm möglicherweise auf umsteigende andere, eventuell verfeindete Fußballgruppen hätten treffen und dann noch Schlimmeres hätte passieren können. 

Die Ausschreitungen im Zug, so erklärte Rainer Kerstiens, Sprecher der Bundespolizei am Sonntag, hätten bereits kurz nach der Abfahrt in Köln begonnen. Dort wurde die Notbremse gezogen und Paderborn-Anhänger wollten den Zug verlassen. „Von den dortigen Einsatzkräften wurden sie wieder in den Zug geschickt und gebeten, Köln zu verlassen.“ 

Polizeiaufkommen sorgte für Aufsehen

Die Sachbeschädigungen im Zug nahmen jedoch zu und die mitreisenden Zivilkräfte der Bundespolizei nahmen Kontakt mit ihrem Leitstand in Münster auf. Der entschied, in Bönen eine Bearbeitungsstraße zur Erfassung der Randalierer einzurichten. Einsatzkräfte der Bundes- und Landespolizei, die zuvor in Münster auf dem Katholikentag und unter anderem in Köln und Bielefeld bei Fußballspielen im Einsatz waren, wurden für diese Maßnahme am Haltepunkt Bönen gebündelt. 

Passanten, die bei Lidl zu einem späten Einkauf unterwegs waren, rieben sich die Augen, angesichts des Großaufgebots an Polizeikräften und Einsatzfahrzeugen, die plötzlich rund um den Bahnhof anrückten und alles abriegelten. Aus der Luft überwachte ein Hubschrauber der Bundespolizei den Einsatz und zog seine Kreise über der Ortsmitte. Kurzzeitig wurde der Bahnhof für den Bahnverkehr komplett gesperrt. 

Bundes- und Landespolizei stoppen Paderborner Randale-Fans am Bahnhof Bönen

650 Reisende waren im RE 7, als dieser um 19.43 Uhr am Bahnhof Bönen einlief. 250 von ihnen waren Fans des SC Paderborn. Nach einer Vorauswahl der Zivilbeamten mussten 152 sogenannte Fans den Zug verlassen, damit ihre Personalien aufgenommen werden konnten. Die vom Großaufgebot der Polizei aus dem Zug geholten Hooligans wurden an der Radstation umstellt und festgehalten. Fans protestierten laut gegen die Maßnahme Einige „Fans“ protestierten dagegen lautstark und stimmten Fangesänge an, andere wurden schlagartig nüchtern und still angesichts des Polizeiaufgebots und der drohenden Anzeigen. 

Die Beamten fanden im Zug nämlich 19 Sturmmasken, mit denen das Gesicht verhüllt werden kann, verbotene Rauchtöpfe, die eine große Hitze entwickeln und für starken Qualm sorgen sowie Beißschutz, der wie bei Boxern das Gebiss bei Schlägereien schützen soll. Die übrigen 500 Reisenden konnten die Fahrt um 20.20 Uhr zumindest bis Hamm fortsetzen, dort wurde der Zugwaggon dann ausgesetzt. „Der war völlig defekt“, erklärte Kerstiens. 

In Bönen waren die Beamten von Bundes- und Landespolizei bis 23 Uhr mit der Feststellung der Personalien der mutmaßlichen Randalierer befasst. Denn sie wurden einzeln zu den zahlreichen Einsatzfahrzeugen auf dem Parkplatz neben der Radstation gebracht, wo ihre Personalien festgestellt und Fotos von ihnen und ihren Ausweisen gemacht wurden. Danach wurden sie wieder entlassen. „Die Fotos erleichtern später die Zuordnung der einzelnen Tatvorwürfe“, erklärte Kerstiens. 

Mit den Rädelsführern würden nun Vernehmungen durchgeführt, außerdem müsste vorhandenes Bildmaterial ausgewertet werden, damit die konkreten Taten den einzelnen Tätern zugeordnet werden könnten. „Das ist Arbeit, die jetzt beginnt und sich einige Zeit hinziehen wird.“ Eigentlich hätten die 152 Anhänger des SC Paderborn Grund zur Freude gehabt: Der Club ist in die 2. Fußball-Bundesliga aufgestiegen und hatte in Köln vor den rund 2000 mitgereisten Fans mit 4:2 gegen den Absteiger aus der ersten Liga gewonnen. Vor dem Rathaus in Paderborn wurde die Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga am Samstagabend mit einer großen Party gefeiert. Allerdings ohne die Randalierer aus dem Zug. Dass deren Euphorie durch zu viel Alkoholkonsum in dumpfe Zerstörungswut umschlug, kostete sie zumindest die Teilnahme daran.

Zug völlig demoliert

Der Sachschaden am Zug ist enorm. Die Fahrzeuge auf der Linie des RE 7 gehören dem Düsseldorfer Unternehmen National Express. Dessen Sprecher Marcel Winter sprach gestern von etlichen Glasschäden, deformierten Türen, herausgerissenen Deckenverkleidungen und gezogenen Nothähnen. Außerdem hätten die Randalierer die Überwachungskameras abgeklebt. Noch am Samstagabend wurde das Fahrzeug in die Werkstatt nach Münster gebracht. „Wir hoffen, dass es uns ab Mittwoch wieder zur Verfügung steht“, sagte Winter, denn das Unternehmen hat nun ein Fahrzeug zu wenig auf der Strecke. „Das bedeutet, dass uns die Hälfte der Sitzplätze fehlt. Wir haben jetzt nur Kurzzüge und darunter leiden unsere Fahrgäste.“ National Express hofft nun, dass die Ermittlungen der Bundespolizei erfolgreich verlaufen, um ebenfalls gegen die Verursacher des Schadens vorgehen zu können.

Nach 4:2-Sieg eigentlich kein Grund für Randale

Kräfte der Bundespolizei waren mit im Zug - sie hatten dafür gesorgt, dass der Zug in Bönen stoppte und dass Kollegen in starker Zahl zum Bahnhof geeilt waren.

Paderborn hatte vor 2000 mitgereisten Fans 4:2 in Köln gewonnen und feiert am Abend vor dem Rathaus die Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga. Offensichtlich war die Euphorie einigen Anhängern - wohl auch alkoholbedingt - etwas zu Kopf gestiegen, so dass das Inventar des Zuges dran glauben musste...

Rund um den Bahnhof Bönen waren viele Passanten auf die immer größer werdende Polizeipräsenz aufmerksam geworden. Als dann der Zug aus Richtung Köln mit den freudetrunkenen Fußball-Anhängern aus Paderborn eintraf, war klar, was der Hintergrund war.

Quelle: wa.de

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