Größere NRW-Städte in Sorge: Nicht genug Plätze für Unterdreijährige

DÜSSELDORF - Es wird alles andere als spielend leicht. Noch mindestens 27.000 Betreuungsplätze für Knirpse unter drei Jahren müssen in NRW binnen elf Monaten geschaffen werden. Vor allem größeren Städten macht das Sorge.

Viele größere Städte in Nordrhein-Westfalen befürchten, bis August 2013 nicht die erforderliche Zahl von Betreuungsplätzen für Unterdreijährige bereitstellen zu können. Es gebe die "verbreitete Angst", dass in vielen Städten trotz enormer Anstrengungen der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz nicht umfassend erfüllt werden könne. Das sagte Stephan Articus, Geschäftsführer des Städtetags NRW, am Donnerstag.

Er äußerte sich nach dem zweiten Krippengipfel in Düsseldorf, zu dem Familienministerin Ute Schäfer (SPD) eingeladen hatte. Ab 1. August 2013 haben Eltern bundesweit einen gesetzlichen Anspruch darauf, ein- und zweijährige Kinder in einer Kita oder von einer Tagesmutter betreuen zu lassen. "Wir rechnen mit Klagen, ganz klar", sagte Articus. Es werde sich voraussichtlich um Schadenersatzklagen handeln.

Articus zufolge ist der Bedarf in Großstädten besonders groß. Er liege in Universitätsstädten nach Schätzungen bei über 60 Prozent. Bisherige Planungen gehen davon aus, dass nur für etwa jedes dritte Kleinkind unter drei Jahren (32 Prozent) ein Platz beansprucht wird. Im bevölkerungsreichsten Bundesland sollen 144.000 Plätze für die Kleinsten bereitstehen. Aktuell fehlten noch 27 000 Plätze, sagte die Ministerin. Aber: NRW ziele damit weit über die 32-Prozent-Quote hinaus - bei 290 000 Kindern mit einem Rechtsanspruch. Schäfer zeigte sich zuversichtlich, dass mit pragmatischen und flexiblen Lösungen die noch fehlenden Plätze zusammenkommen werden. Eine Welle von Klagen erwarten sie nicht, betonte die Politikerin.

Köln und Mülheim an der Ruhr gehörten laut Städtetag zu den Städten, die mit einer deutlichen Lücke zwischen Nachfrage und Angebot rechnen. NRW habe besonders viele Großstädte und stehe damit auch vor einer besonders schwierigen Aufgabe, sagte Articus. Bei der Qualität der Betreuung werde es aber keine Abstriche geben, betonten die Ministerin ebenso wie alle kommunalen Spitzenverbände.

So sei etwa am Personalschlüssel - eine Fachkraft auf rechnerisch 3,6 Kinder unter drei Jahren - nicht zu rütteln, erklärte Schäfer. Werde eine Gruppe vergrößert, müsse auch mehr Personal eingestellt werden. Denkbar sei, dass sich bei entsprechendem Eltern-Wunsch zwei Kinder einen Kita-Platz teilen. Außerdem könne man flexibel vorgehen etwa bei der Bemessung von Außenflächen - also auch mal weniger als 30 Quadratmeter pro Kind vorhalten, was bundesweiter Spitzenwert sei.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) kritisierte, das Kindeswohl komme zu kurz. Es gehe zunehmend um die "formale Einhaltung einer Quote und immer weniger um die Einhaltung qualitativer Standards", meinte VBE-Vorsitzender Udo Beckmann.

NRW will für den Beruf der Erzieherin eine Werbekampagne starten und ein Stellenportal einrichten. Mit aktuell gut 85 000 Erzieherinnen und jährlich 4000 neuen Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt sei eigentlich ausreichend Potenzial vorhanden. Aber auch hier gebe es regional große Unterschiede, sagte Schäfer.

Neben Stadtoberhäuptern und kommunalen Spitzenverbänden waren auch Kita-Träger, Elternvertreter, Jugendämter und Gewerkschaften zu dem Treffen gekommen. Auch für die Endspurtphase gilt nach Worten von Roland Schäfer, Vizepräsident des Städte- und Gemeindebunds NRW: "Wir ziehen am selben Strang und auch in dieselbe Richtung."

Quelle: wa.de

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