Graffiti-Welle schwappt weiter nach Deutschland

Die Graffiti-Welle schwappt ungehemmt weiter durch Deutschland. ▪

MÜNSTER ▪ Von Riccarda Nagel ▪ „Ihr kriegt uns nie“ – ein Spruch aus Lackfarbe prangt auf einer Hauswand in Ahaus. Knapp 30 Jahre, nachdem die Graffiti-Welle aus den USA nach Deutschland geschwappt ist, wird weiter munter gesprüht und gemalt – gern auf fremdem Hab und Gut.

Nahezu täglich melden die Polizeidienststellen zwischen Rhein und Weser Sprühattacken auf Züge, Bahnhöfe, Haltestellen, Hausfassaden oder Parkbänke. Die „Tags“ und „Pieces“ genannten „Kunstwerke“ sind allgegenwärtig: Mehr als 28 000 Sachbeschädigungen durch Graffiti wurden 2009 in NRW angezeigt. Jede fünfte Tat wird laut Landeskriminalamt aufgeklärt.

„Es ist sehr schwierig, gegen Graffiti-Sprayer vorzugehen“, sagt Jürgen Karlisch von der Bundespolizei in Dortmund. „Die meist jugendlichen Täter gehen sehr planmäßig vor, beobachten genau und flüchten sofort.“ Ihre Fluchtwege seien ausgetüftelt, per Funk oder Handy melden Sicherheitsposten Gefahr. Jeder Sprayer habe ein Pseudonym, mit dem er „das Stadtgebiet verziert“, sagt Karlisch. Um so größer die Verbreitung, desto größer der sogenannte „Fame“, zu deutsch: Ruhm. Darin liege der Hauptantrieb eines jeden Sprayers. Den größten Ruhm erlange ein Sprayer durch das Besprühen eines Zuges. „Fahrende Medien sind eine besonders große Herausforderung. Sie weisen das größte Gefährdungspotenzial auf.“

Die Deutsche Bahn gehört denn auch zu den Hauptleidtragenden. 8,5 Millionen Euro fließen pro Jahr in die Beseitigung von Sachschäden, sagt ein Sprecher in Düsseldorf. Wie viel davon auf Graffiti entfällt, sagt die Bahn nicht. Erst gestern meldete die Polizei wieder zwei von Unbekannten komplett mit Graffiti beschmierte S-Bahnzüge in Dortmund. Schaden: mehr als 15 000 Euro. „Wir versuchen, keine besprühten Züge auf die Strecken zu lassen und bemühen uns um eine schnelle Säuberung.“ Und: Für zwei Millionen Euro sollen 100 Bahnhöfe und Haltestellen in NRW mit einer Anti-Graffiti-Schutzschicht überzogen werden. Die Kosten dafür teilen sich Land und Bahn.

Auch die Kommunen bemühen sich, die Graffiti-Schäden in Grenzen zu halten. Beispiel Münster. „Wir stellen Flächen zur legalen Besprühung zur Verfügung“, sagt Frank Ahlmann, Graffiti-Koordinator der Stadt Münster. „Oder wir überlassen gezielt einem Sprayer eine Wand, an der er sich ausleben kann.“ Die Maßnahmen zeigen Erfolg. Die Zahl der Anzeigen ging deutlich zurück.

Aber auch private Hauseigentümer sind betroffen. Laut Schätzungen des Zentralverbandes Haus und Grund liegt der Schaden bundesweit jährlich zwischen 350 bis 400 Millionen Euro. „Die Dunkelziffer ist enorm“, vermutet Wolfgang Friedrich von Haus und Grund Rheinland in Düsseldorf. Viele Hauseigentümer würden die Kritzeleien einfach überstreichen und gar keine Anzeige bei der Polizei aufgeben. ▪ dpa

Quelle: wa.de

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