An der Uni geschummelt: CDU-Chef Laschet gibt Amt in Aachen auf

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Armin Laschet

Düsseldorf - Peinlicher Lapsus für Nordrhein-Westfalens CDU-Chef Armin Laschet: Wegen Unregelmäßigkeiten bei der Bewertung von Klausuren zieht sich der 54-Jährige von seinem Ehrenamt als Lehrbeauftragter der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen zurück.

Von Robert Vornholt

Laschet räumte ein, dass Klausuren von etwa 30 Seminarteilnehmern zum Thema „Europapolitik der Berliner Republik“, die nach einem fünftägigen Aufenthalt in Berlin geschrieben wurden, auf dem Postweg verloren gegangen sein sollen. Laschet gibt an, diese von den Studenten in Aachen geschriebenen Arbeiten zur Korrektur mit nach Hause genommen und dann benotet zurück zur Hochschule geschickt zu haben. Nach dem Verschwinden der Arbeiten habe er der Einfachheit halber anhand von Aufzeichnungen nachträglich Noten vergeben. Dabei verteilte er allerdings auch gute Zensuren an Studierende, die sich dem Leistungstest gar nicht gestellt hatten.

Eine Erklärung, wo die Arbeiten geblieben sind, gibt es nicht. Recherchen habe er nicht unternommen, weil das Aufgabe der Hochschule sei. Gemeinsam mit der Zweit-Korrektorin habe er sich darauf verständigt, dass ein Nachschreiben nicht sinnvoll sei, weil der unmittelbare Eindruck des Seminars in Berlin gefehlt habe, erklärt der CDU-Chef. Der „bedauerliche“ Verlust der Klausurunterlagen sei der Geschäftsführung des Studiengangs seit Januar bekannt, berichtet Laschet. Das weitere Verfahren zur Notengebung sei auch mit dem Prüfungsausschuss der Universität abgestimmt und entschieden worden.

Die RWTH hingegen erklärt, dass die Zensurenvergabe schon vor der Rücksprache mit der Hochschule erfolgt sei. Dass Klausuren eines kompletten Seminars auf dem Postweg verloren gehen, sei aus der 135-jährigen Geschichte der Hochschule nicht bekannt. Eine Konsequenz sei nun aber gezogen worden: Prüfer nehmen nur noch Kopien mit nach Hause, die Originale bleiben an der Hochschule, hieß es.

Als „Skandal erster Güte“ wertet SPD-Landtagsfraktionschef Norbert Römer den Fall: „Laschet trickst und täuscht, hintergeht Studierende, die ihm anvertraut worden sind, und beschädigt den guten Ruf der Hochschule.“ Grünen-Fraktionschef Mehrdad Mostofizadeh forderte einen Bericht der Landesregierung für die nächste Sitzung des Wissenschaftsausschusses. „Wer bei anderen hohe moralische Standards setzt, muss auch selbst diesen Ansprüchen genügen“, beklagt er zögerliches und widersprüchliches Verhalten Laschets.

Quelle: wa.de

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