Gericht sagt Zwangsräumung von Raucher Adolfs ab

+
Raucher Friedhelm Adolfs.

DÜSSELDORF - Sein Fall entzweit die Gemüter: Raucher Friedhelm Adolfs (76) soll nach 40 Jahren vor die Tür seiner Mietwohnung gesetzt werden, weil er die Nachbarn penetrant mit Qualm belästigt haben soll. Doch die für Dienstag geplante Zwangsräumung ist erst einmal vom Tisch.

Durchatmen für Raucher Friedhelm Adolfs (76): Das Düsseldorfer Landgericht hat die für kommenden Dienstag geplante Zwangsräumung seiner Wohnung abgesagt. Eine Räumung wäre für ihn "ein nicht zu ersetzender Nachteil", weil er für diese Miete in Düsseldorf keine vergleichbare Wohnung finden würde, sagte eine Gerichtssprecherin am Mittwoch in Düsseldorf der Deutschen Presse-Agentur. Gegen die Entscheidung gebe es kein Rechtsmittel.

Dem Rentner war nach rund 40 Jahren Mietdauer fristlos gekündigt worden, weil er seine Nachbarn mit Zigarettenqualm belästigt haben soll. Mit seiner Klage gegen die Kündigung hatte Adolfs in zwei Instanzen verloren. Erst der Bundesgerichtshof hatte das Urteil im Februar aufgehoben und an das Landgericht zurückverwiesen. Es muss den Fall nun neu aufrollen.

Der Mieter habe durchaus Chancen, die Berufung für sich zu entscheiden. Deswegen müsse das Urteil des Landgerichts im Berufungsverfahren abgewartet werden, hieß es am Mittwoch. Er sei natürlich sehr erleichtert, müssen sich aber erst einmal um eine erkrankte Bekannte kümmern, sagte Adolfs in einer kurzen Reaktion.

"Ich bin erleichtert und froh, dass die Gegenseite mit ihren Taschenspielertricks in letzter Sekunde gestoppt werden konnte", sagte sein Anwalt Martin Lauppe-Assmann. Der bundesweit beachtete Fall hatte zahlreiche Raucher zur Solidarität mit Adolfs veranlasst.

Lesen Sie zu diesem Thema auch: 

Raucher Adolfs kämpft weiter gegen Zwangsräumung

Raucher Adolfs droht trotz BGH-Urteil Räumung

Der Rentner war zu einer Ikone für den Widerstand gegen einer Verschärfung des Nichtraucherschutzes geworden und laut seinem Anwalt zum "zweitbekanntesten Raucher nach Helmut Schmidt". Adolfs nahm an Raucher-Demonstrationen teil und konnte einen Teil seiner Prozesskosten aus Spenden finanzieren.

Hinter seiner Misere hatte der Rentner wirtschaftliche Interessen vermutet: Seine Wohnung solle wohl, wie der Rest des Hauses, in lukrativen Büroraum umgewandelt werden. Die Vermieterin hatte dies zurückgewiesen: Ihr ehemaliger Hausmeister habe auch im Ruhestand zu günstigen Konditionen im Haus in seiner ehemaligen Dienstwohnung bleiben dürfen.

Der Rentner habe es ihr aber nach dem Tod seiner Frau mit der Verpestung des Hausflures durch Rauch "gedankt", der von der Wohnung in den Hausflur dringe. Die Nachbarn hätten sich beschwert. "Wie in einer Räucherkammer" habe es gerochen, hatte ihr Makler vor Gericht ausgesagt.

Das Landgericht habe den Fall nicht umfassend aufgeklärt, hatte der Bundesgerichtshof bemängelt. Es sei ein Rätsel, wie das Gericht ohne Ortstermin, weitere Zeugen aus dem Haus oder einer Schadstoffmessung zu dem Ergebnis habe kommen können, dass die fristlose Kündigung gerechtfertigt sei. Die Vorinstanzen hatten das Vorgehen der Vermieterin dagegen gebilligt. Es sei ein "schwerwiegender Pflichtverstoß", dass der Witwer nicht gelüftet und seine vollen Aschenbecher nicht geleert habe.

Der Bundesgerichtshof hatte an beide Parteien appelliert, den Rechtsstreit durch eine Einigung zu beenden. Man müsse schließlich "die Kirche auch im Dorf lassen". Doch der nun vereitelte Versuch, mit der Zwangsräumung noch vor einem rechtskräftigen Urteil Fakten zu schaffen, deutet auf verhärtete Fronten hin. - lnw

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.