Keine Lösung im Wisentstreit

Gericht entscheidet Anfang Oktober

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Schmallenberg - Im Streit um ausgewilderte Wisente gibt es keine Annäherung zwischen den Gegnern und Befürwortern des europaweit beachteten Artenschutz-Projektes. Nach einer stundenlangen Befragung von Zeugen und Experten am Amtsgericht Schmallenberg kündigte Richterin Christiane Behle-Cordes am Donnerstag eine Entscheidung in dem Fall für den 2. Oktober an.

In der Verhandlung hatte sie zuvor ergebnislos die Chancen für einen Vergleich ausgelotet. Allerdings machte das Gericht schon deutlich, dass letztlich auch ein Jahre andauernder Rechtsstreit durch die Instanzen möglich ist.

Das Amtsgericht muss nach der Klage eines Waldbauern gegen den Trägerverein des Projektes entscheiden, ob die im April 2013 freigelassenen Tiere "herrenlos" sind. Zwar werden die Schäden an Bäumen der Waldbauern vom Trägerverein des Projektes, der Wittgensteiner Wisent-Welt, beglichen. Doch einer der Waldbauern wollte nicht mehr hinnehmen, dass seine Bäume angeknabbert werden. Die aktuell zwölf Tiere haben nach dem vorgesehen Wald im Siegerland auch Waldgebiete im benachbarten Sauerland in Besitz genommen.

Es gehe ihm nicht darum, das Projekt gänzlich zu kippen, sagte der Kläger. "Die sollen mit den Tieren machen, was sie wollen. Aber nicht auf meinem Grund." Der Trägerverein sieht aber genau mit dieser Forderung das Artenschutzprojekt bedroht: "Es geht ja gerade darum, dass die Tiere frei streifen können", sagte Anwalt Stephan Hertel.

Sechs Zeugen berichteten von Begegnungen mit der Herde. Mehrere Waldbesitzer sagten, sie hätten die Wisente "wie eine Herde Kühe" aus ihrem Wald getrieben. Der Anwalt des klagenden Waldbauern legte Fotos vor, auf denen die Tiere gelockt oder sogar gestreichelt wurden. "Fluchtdistanz: Keine", sagte ein anderer betroffener Waldbauer.

Warum sich die Herde in Buchenbeständen des Klägers so wohl fühlt, konnte weder der für die Wisente zuständige Ranger noch die das Projekt begleitende Biologin sagen. Die Fluchtdistanz habe aber wenig Aussagekraft, sagte die Expertin. "Die Wisente haben keine negativen Erfahrungen mit Menschen, von daher gibt es keinen Grund zur vorschnellen Flucht. Das ist ja auch eine Energiefrage. Es ist anstrengend 500 Kilo über den Berg zu hieven", unterstrich sie.

Dass man die Herde - wie von Waldbauern berichtet - vor sich hertreiben könne, bezweifelte der Ranger: "Da braucht man eine Hundertschaft, um die zielgerichtet zu Treiben, mit fünf Menschen schafft man das nicht mehr."

Quelle: wa.de

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