Betrug mit Idiotentest: Auch Fälle in Hamm und im Märkischen Kreis

[UPDATE 18.10 Uhr] DORTMUND - Betrug beim "Idiotentest": Ein Institut mit Sitz in Essen und Dortmund hat Autofahrern saubere Gutachten besorgt. Unter anderem gibt es zwei Fälle in Hamm und elf Fälle im Märkischen Kreis.

Von Sandra Oelschläger

Bei einer Razzia im Ruhrgebiet hat die Staatsanwaltschaft „umfangreiches Material“ zu einem groß angelegten Betrug mit gefälschten Bescheinigungen für die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) sichergestellt. Dem Institut mit Sitz in Dortmund und Essen wird vorgeworfen, drogenabhängigen Autofahrern zu sauberen Gutachten für den so genannten Idiotentest verholfen zu haben.

Wie Bernd Bienioßek von der Staatsanwaltschaft Bochum mitteilte, werde nun gegen sieben Beschuldigte ermittelt, darunter zwei Ärzte. „Was die Autofahrer, die ihren Führerschein zurück haben wollten, wussten, müssen wir noch klären“, so Bienioßek. Bislang sind der Staatsanwaltschaft Fälle aus Dortmund, Essen, dem Kreis Unna (2), dem Märkischen Kreis (11), aus Hamm (2), Oberhausen, Bottrop und Bielefeld bekannt. Landesweit liegen den Straßenverkehrsämtern NRW in rund 40 Fällen Hinweise auf Fälschungen vor.

Alkohol- und Drogensünder, die nach einer Sperre ihre Führerscheine wiedererlangen wollen, müssen in Deutschland die als Idiotentest bezeichnete MPU absolvieren. Unter anderem müssen die Probanden psychologischen Gutachten und Haaranalysen vorlegen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Institut für seine Kunden die benötigten Unterlagen ganz oder teilweise gefälscht hat.

Bereits im Oktober 2010 waren einer Mitarbeiterin im Straßenverkehrsamt in Unna erste Unregelmäßigkeiten aufgefallen. „Die Gutachten wurden nicht angenommen, weil das Institut keine staatliche anerkannte Stelle ist“, sagt Christian Chmel, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. Nach einem Gespräch mit dem Verantwortlichen des Instituts über die Kriterien zur staatlichen Anerkennung „haben wir nichts mehr von ihm gehört“, so Chmel.

Im Juli des vergangenen Jahres dann tauchte in Bielefeld ein gefälschtes Gutachten auf. Es war mit dem Briefkopf einer staatlich anerkannten Stelle versehen. „Wir haben in einer Rundmail an die Straßenverkehrsämter zu erhöhter Wachsamkeit aufgefordert“, sagt Chmel. Es wurden weitere Fälle bekannt, die Spur führte nach Dortmund. Einige der Betroffenen hatten ihre Führerscheine wiederbekommen, später zogen die Behörden die Fahrerlaubnis wieder ein. Ein Betroffener aus dem Märkischen Kreis will nun klagen.

Quelle: wa.de

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