Richter haben entschieden

Gefährlicher Wahn - Spielplatz-Täter muss in die Psychiatrie

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Aachen - Immer wieder diese Kinderstimmen. Sie riefen seinen Vornamen. Der 53-Jährige setzte sich Ohrenschützer auf. Vergeblich. Seinen akustischen Wahnvorstellungen konnte er nicht entkommen. Dann wurde er rabiat: Er verstreute Rohrreiniger auf Aachener Spielplätzen. Fünf kleine Kinder - zwei und drei Jahre alt - wurden verletzt, außerdem ein Mädchen am Magen verätzt.

Das Aachener Landgericht bewertete die Chemie-Attacken des Mannes vom Sommer 2017 am Freitag als gefährliche Körperverletzung. Der Täter sei psychisch krank und gefährlich. Er werde nicht bestraft, aber er brauche Behandlung in der Psychiatrie bis zur Besserung, machten die Richter am Freitag in ihrer Entscheidung deutlich. Die Attacken hatten Eltern in Aachen 2017 über Monate in Atem gehalten und bundesweit Schlagzeilen gemacht.

Mit der Entscheidung zur Unterbringung entsprachen die Richter den Anträgen der Staatsanwaltschaft und auch der Verteidigung. Zu Beginn des Verfahrens war die Staatsanwaltschaft noch von versuchtem Mord in fünf Fällen ausgegangen.

Der 53-Jährige hatte nach Einschätzung der Richter zwar in Kauf genommen, dass Kinder verletzt würden, wollte aber niemanden töten. In seiner krankhaften Vorstellung habe er vorher noch einen eingebildeten Toxikologen zur Gefährlichkeit des Rohrreinigers befragt. Der habe die Substanz in der Fantasie des Täters als harmlos eingeschätzt. Dass er sogar nicht existierende Sachverständige zu Rate ziehe, zeige den Wahn und die Gefährlichkeit des Mannes, stellten die Richter fest.

"Es ist großes Glück, dass nicht mehr passiert ist", sagte ein Rechtsmediziner am Freitag. Rohrreiniger sei eines der gefährlichsten und stärksten Haushaltsmittel, die frei erhältlich sind. Ein Mädchen, das beim Spielen mit seinem Eis an das Granulat gekommen war, hatte nach Angaben des Rechtsmediziners Verätzungen an der Magenschleimhaut erlitten. Zwei Kinder hatten Krümelchen in den Mund genommen, und zogen sich schmerzhafte Entzündungen zu. Zwei weitere Kinder hatten Hautrötungen nach Kontakt mit der Chemikalie beim Spielen. Die Eltern hatten vor Gericht bedrückende Stunden voller Sorgen geschildert.

Andererseits war wohl auch der Druck auf den 53-Jährigen durch die von ihm wahrgenommenen Stimmen riesig, berichtete der Aachener Richter Roland Klösges am Freitag aus den Ermittlungen der Justiz. So habe der Mann sogar mit Zelt und Iso-Matte im Wald geschlafen, "um der Belästigung und der Bedrohung zu entkommen". - dpa

Quelle: wa.de

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