Abschiedsfest am 9. März

Kardinal Meisner nach 25 Jahren im Ruhestand

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Kardinal Meisner

KÖLN - Nach 25 Jahren hat Papst Franziskus den Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner auf eigenen Wunsch in den Ruhestand versetzt. Der konservative Meisner gilt als der umstrittenste Kirchenmann Deutschlands.

Der Papst habe das Rücktrittsgesuch des 80-Jährigen angenommen, teilte das Erzbistum am Freitag mit. Nach einem Vierteljahrhundert ist Meisner nun mit sofortiger Wirkung nicht mehr Erzbischof von Köln. Den Ehrentitel Kardinal behält er dagegen. Meisner hatte den Papst aus Alters- und Gesundheitsgründen um seine Entlassung gebeten.

In einem Abschiedsbrief wandte sich Meisner am Freitag noch einmal an die Gläubigen: "Ich wollte Ihnen immer und überall die Freude an Gott bezeugen", schrieb er. "Ich danke Ihnen herzlich für alle Stärkung (...) und bitte alle sehr um Vergebung, wenn Ihnen mein Dienst nicht Stärkung, sondern vielleicht auch Ärgernis war."

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Viele Gläubige im Erzbistum wünschen sich einen liberalen Kirchenmann als Nachfolger. Erst vor einigen Monaten hatte eine Umfrage des Erzbistums ergeben, dass Meisners konservative Ansichten zu Ehe und Familie bei den Gläubigen überhaupt keinen Widerhall finden. Die Gläubigen sind demnach nahezu geschlossen gegenteiliger Ansicht, wenn es um Themen geht wie Scheidung, vorehelicher Sex, Verhütungsmittel oder homosexuelle Partnerschaften.

Der gebürtige Schlesier hatte während seiner Amtszeit immer wieder Aufsehen erregt und auch Empörung ausgelöst, wenn er Abtreibungen zum Beispiel mit dem Holocaust verglich und Kunst ohne religiösen Bezug als "entartet" bezeichnete. Häufig bedauerte er später seine Wortwahl. Als Höhepunkt seiner Amtszeit sah Meisner die Ausrichtung des Weltjugendtages 2005 mit einem Besuch des damals frisch gekürten Papst Benedikt.

Das größte und reichste deutsche Bistum mit über zwei Millionen Katholiken wird nun zunächst vom dienstältesten Kölner Weihbischof Manfred Melzer geleitet. Innerhalb von acht Tagen wählt das Domkapitel einen Diözesanadministrator, der vorübergehend die Verwaltung des Erzbistums übernimmt. Anschließend beginnt das Domkapitel nach einem komplizierten Verfahren mit der Wahl eines neuen Erzbischofs. Eine Kölner Kircheninitiative, die von rund 1500 Unterzeichnern unterstützt wird, fordert seit längerem Mitbestimmungsrechte der Gläubigen bei der Wahl des neuen Erzbischofs.

Meisner will demnächst in eine Wohnung im Haus der Domkapitulare gegenüber dem Kölner Dom einziehen. Am 9. März steht er noch einmal im Mittelpunkt. Dann wird seine 25 Jahre dauernde Amtszeit als Erzbischof nachgefeiert. Diese Feier wird nun gleichzeitig sein Abschiedsfest werden.

Quelle: wa.de

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