53-jährige Walkerin war lebensgefährlich verletzt worden

Paukenschlag: Freispruch für Hundehalterin nach Doggen-Angriff

+
Bei Prozessbeginn im Amtsgericht Ahlen: die Angeklagte und ihr Verteidiger (links), die Richterin (Mitte).

Drensteinfurt/Ahlen - Mit einem Paukenschlag endete am Mittwoch der Prozess gegen eine 48-jährige Drensteinfurter Hundehalterin, deren vier Doggen im vergangenen Jahr eine Frau in Mersch angefallen und lebensgefährlich verletzt hatten. Eine Richterin am Amtsgericht Ahlen sprach die Angeklagte vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung frei.

Sie habe ihre Sorgfaltspflicht nicht verletzt und das Geschehen nicht vorhersehen können, hieß es.

Es war eine Szene wie aus einem Gruselfilm, die sich am 1. Juli 2017 auf einem Feldweg in Drensteinfurt abspielte und in ganz Deutschland Aufsehen erregte: Gegen 19.35 Uhr war eine 53-jährige Walkerin in der Bauerschaft Mersch unterwegs. 

Dort begegnete sie der Hundehalterin, die ihre drei Deutschen Doggen und einen Doggen-Mischling ausführte. Die 80 Kilogramm schweren Hunde waren nicht angeleint und trugen auch keinen Maulkorb. 

Nachdem sie die andere Frau bemerkte, legte die Hundehalterin ihre Doggen neben sich auf dem Grünstreifen ab. Als die Fußgängerin auf gleicher Höhe war, sprang zunächst ein Hund auf die Frau zu, die dadurch zu Fall kam. Das schreckte die anderen Tiere auf. Alle fielen nun über die Walkerin her. Sie erlitt dabei massive Bissverletzungen an Kopf, Gesicht, Hals, Schulter und Beinen.

Ärzte retten in mehrstündiger Operation das Leben der Frau 

Die Hundehalterin versuchte, die Doggen von der 53-Jährigen wegzuziehen und warf sich schützend auf sie. Auch sie erlitt leichte Verletzungen. Schließlich gelang es ihr, ihre Hunde unter Kontrolle zu bringen. Sie alarmierte umgehend den Rettungsdienst. Die lebensgefährlich verletzte Walkerin wurde noch vor Ort von Rettungskräften versorgt und dann in ein Krankenhaus gebracht. Dort retteten ihr die Ärzte in einer mehrstündigen Operation das Leben. Die Hunde wurden eingeschläfert.

Hier klicken für weitere Berichte über den Hundeangriff.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit schilderte das Opfer am Mittwoch dem Gericht den Vorfall und das anschließende Martyrium. Die Frau leidet vermutlich bis an ihr Lebensende massiv seelisch und körperlich unter den Folgen des Hundeangriffs. Auch die Halterin der Tiere war geschockt. Sie kann sich bis heute nicht erklären, wie ihre Doggen so rasend werden konnten. Sie hält seit 30 Jahren große Hunde, baut sorgsam Rudel auf, hat sich selbst vielfach qualifiziert, auch ihre Hunde ständig trainiert und mit ihnen Preise gewonnen. Ihre Doggen wurden mehrfach als freundlich und friedlich bewertet. Dafür legte die Verteidigung Beweise vor.

Keine Erklärung für Ausraster

Auch ein als Sachverständiger befragter Tierarzt bestätigte all dies: Die 48-Jährige habe in jeder Hinsicht richtig gehandelt und auf ihre Tiere vertrauen dürfen. Warum die Doggen dennoch ausrasteten, konnte sich der Experte nicht erklären. Allerdings hätte die Halterin ihre Hunde möglicherweise eher stoppen können, wenn sie an der Leine gewesen wären.

Staatsanwalt beantragt "spürbare" Geldstrafe

Genau darauf stellten der Staatsanwalt und der Rechtsanwalt des Opfers als Nebenklägerin ab: Die Halterin habe ihre Sorgfaltspflicht verletzt, weil sie die Hunde frei laufen ließ. Sie hätte damit rechnen müssen, dass sie vier so kräftige Hunde nicht unter allen Umständen kontrollieren kann. Der Staatsanwalt beantragte eine „spürbare“ Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen. Der Verteidiger forderte dagegen einen Freispruch, weil seiner Mandantin trotz der schlimmen Folgen des Unfalls strafrechtlich nichts vorzuwerfen sei. Sie habe ihre Pflichten als Hundehalterin nicht verletzt. Dem schloss sich die Richterin mit ihrem Urteil in vollem Umfang an.

Von Matthias Münch

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare