Erfolgsgeschichte aus NRW

Milliarden-Coup: Dr. Oetker übernimmt „Flaschenpost“ - der neue CEO kommt aus dem Kreis Soest

Über diesen Coup staunt der Markt: Dr. Oetker soll „Flaschenpost“ für eine Milliarde Euro gekauft haben. Nach nur vier Jahren hat das Start-Up mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Stephen Weich aus Wickede so einiges erreicht.

Wickede - Das Erstaunen über diese Entwicklung ist so groß, wie die Idee hinter „Flaschenpost“ einfach: Getränke ins Haus liefern. Tatsächlich hatte Dr. Oetker mit seiner Kopie „Durstexpress“ versucht, einen ähnlichen Lieferdienst aufzubauen. Offenbar aber war die „Flaschenpost“ aus NRW pfiffiger, kam die App zum Online-Bestellen besser an, war der gesamte Auftritt effektiver.

UnternehmenFlaschenpost SE
Gründung2016
SitzMünster

Start-Up landet Milliarden-Coup: Dr. Oetker hat „Flaschenpost“ verkauft - der CEO kommt aus dem Kreis Soest

An den bisherigen Standorten, die von Münster ausgehend nach eigenen Angaben die Zielgruppe „Jung, Städter, Online-affin“ ins Auge fassten, konnte „Flaschenpost“ schnell Fuß fassen. Mit dabei neben Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Leipzig und Dresden vor allem die Metropolen des Ruhrgebiets. Jetzt also der nächste Meilenstein:

Der Oetker-Konzern übernimmt den schnell wachsenden Getränke-Lieferdienst. Die Kaufverträge seien vor wenigen Tagen unterzeichnet worden, teilte das Familienunternehmen aus Bielefeld am Montag mit. Nach Informationen des Informationsdienstes „Deutsche Startups.de“ beträgt der Kaufpreis eine Milliarde Euro. Oetker selbst machte dazu keine Angaben. Die Übernahme muss noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden.

Vorneweg im Team „Flaschenpost“: Dr. Stephen Weich, Vorstandsvorsitzender und gebürtig aus Wickede im Kreis Soest. Weich hatte nach dem Abitur ab 2004 in Münster Betriebswirtschaftslehre studiert, ging im Rahmen des Studiums unter anderem nach Sydney. Von 2013 bis 2017 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, wo er 2017 in seinem Fachgebiet promovierte.

CEO von „Flaschenpost“: Stephen Weich aus Wickede war von Anfang an dabei

Ein Jahr zuvor, 2016, entstand „Flaschenpost“. Die Grundidee stammt von Stephen Weichs Geschäftspartner Dieter Büchl. „Wir haben uns 2016 kennen gelernt, ich steckte noch mitten in der Promotion“, erzählt der Wickeder in einem Podcast der Marketing-Plattform OMR. Dann seien die anderen ins Team gekommen. „Es ging dann richtig los im April 2016 in Münster.“ Die anderen, das sind Niklas Plath und Christopher Huesmann.

Lieferkostenfrei, bequem für die Kunden, die mit der Pfandrückgabe noch stärker gebunden werden – und das alles innerhalb von 120 Minuten? „Wir verstehen uns als Logistik-IT-Unternehmen“, erläutert der CEO der „Flaschenpost“. Dazu zählt neben dem direkten Kunden-Kontakt per App oder Desktop insbesondere das System der Auslieferung: Algorithmen helfen, mit sechs bis zehn Stopps pro Fahrt die optimale Route zu finden. Weich: „Das ermöglicht eine sehr effiziente Lieferung innerhalb der 120 Minuten.“

Dr. Oetker übernimmt „Flaschenpost“ - das Warensortiment wächst schon jetzt

Mit mittlerweile 21 eigenen Lagerhäusern kann das Unternehmen entsprechende Mengen direkt beim Hersteller einkaufen und mit den erzielten Rabatten die kostenlose Lieferung finanzieren. Die Preise der Waren liegen entweder auf dem Niveau des Einzelhandels oder nur unwesentlich höher, sind damit jedenfalls kein Grund, auf die Annehmlichkeit der Lieferung ins Haus zu verzichten, verdeutlicht der Wickeder Unternehmer.

Mit dem Kauf durch Dr. Oetker und der mutmaßlichen Fusion von „Flaschenpost“ und „Durstexpress“ dürfte der Aktionsradius weiter wachsen. Und auch das Warensortiment. Die Anfänge sind bereits gemacht. So bietet „Flaschenpost“ seit August im Liefergebiet Münster auch Obst und Gemüse, Frischwaren und Tiefkühlprodukte an, deckt also den gesamten Wocheneinkauf ab.

Gebiete jenseits der Bundesgrenzen: Flaschenpost will wachsen

„Wir haben unterschiedlichste Produkte angetestet - der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, erklärt Stephen Weich im Podcast. Diese Erfolgsaussichten sind wohl auch der Grund, warum es in den vergangenen Jahren kein Problem gab, an Kapital zu kommen. Perspektivisch richtet das Unternehmen übrigens seinen Blick auch bereits auf mögliche Absatzgebiet jenseits der Bundesgrenzen.

Als wirksamen Verstärker für die Entwicklung erfährt das Unternehmen die Corona-Pandemie. Neben der Bequemlichkeit sorgt nun auch das Sicherheitsbedürfnis der Menschen dafür, möglichst kontaktlos einkaufen zu wollen. Da wird es nicht lange bei den bisher gut zwei Millionen Bestellungen pro Jahr bleiben, die nach Unternehmensangaben derzeit von rund 7000 Mitarbeitern an den derzeit 23 Standorten mit rund 1500 Fahrzeugen ausgeliefert werden.

Rubriklistenbild: © jochen rolfes photographer

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