Anforderungen steigen, Mitglieder fehlen

Feuerwehr in NRW kämpft um mehr Personal

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Symbolfoto: Wenn die Feuerwehr mit Blaulicht und Martinshorn auftaucht, lockt das regelmäßig Schaulustige an. Doch die wenigsten wollen sich selbst bei der Feuerwehr engagieren.

ESSEN - Wenn es brennt irgendwo in NRW, ist die Feuerwehr zur Stelle. Doch die Löschgruppen kämpfen mit gewaltigen Problemen. Denn während die Anforderungen steigen, fehlen immer öfter die Mitglieder.

Wenn die Feuerwehr mit Blaulicht und Martinshorn auftaucht, lockt das regelmäßig Schaulustige an. Das Interesse an der Arbeit der Einsatzkräfte ist groß. Doch mithelfen und sich bei der Freiwilligen Feuerwehr engagieren, das wollen die Wenigsten. Ein Überblick über die größten Probleme:

Der allerjüngste Nachwuchs hat noch keinen festen Platz: Zwar sind es gerade Kinder, die bei Tagen der offenen Tür mit leuchtenden Augen ihr Interesse zeigen - eine Kinderfeuerwehr als großen Nachwuchspool gebe es aber bisher so nicht, sagt Nils Vollmar, Referent im Verband der Feuerwehren in NRW. Bislang gebe es keine gesetzliche Grundlage für Angebote für Unter-Zehnjährige - und somit keinen Versicherungsschutz.

"Nur Feuerwehren, die Kindergruppen eigenständig versichern, bieten für diese Altersklasse etwas an", ergänzt Sandra Wefelmeier, Bildungsreferentin im Verband der Feuerwehren. Hoffnung setzt der Verband in ein neues Brandschutzgesetz, das bald kommen soll. Es soll Kindern ab sechs Jahren ermöglichen, in der Feuerwehr aktiv zu sein. "Dabei soll Wissen vermittelt werden, wie sich die Kinder zum Beispiel bei einem Feuer zu Hause verhalten sollten. In erster Linie geht es aber um Spiel und Spaß", sagt Wefelmeier.

Auch bei den über 30-Jährigen gehen Mitglieder weg: Wenn freiwillige Feuerwehrleute eine Familie gründen oder der Beruf keine Zeit mehr für das Ehrenamt lässt, treten viele aus. "Für manche wird die ständige Verfügbarkeit zu einem Problem", erklärt Vollmar. Die Altersverteilung wird daher nach oben dünner und nur wenige entscheiden sich, zu einem späteren Zeitpunkt wieder einzusteigen.

Um auch ältere Mitglieder zu gewinnen, will der Verband den Einstieg - auch für Quereinsteiger - erleichtern. Zudem soll es für eigentlich dienstuntaugliche Kollegen Möglichkeiten geben, sich weiterhin zu engagieren. "Zum Beispiel in der Funkzentrale."

Bei der Brandschutzaufklärung sieht die Feuerwehr ebenfalls noch Bedarf. Die Aufklärungsarbeit ist vorgeschrieben, betont Vollmar. "Allerdings ist die Umsetzung von Ort zu Ort doch recht unterschiedlich und hängt auch davon ab, wie vor allem die Ehrenamtlichen selber ausgebildet sind." Mit Seminaren will der VdF daher mehr Wissen über Feuerschutz vermitteln. Dabei gehe es auch darum, Berührungsängste bei der Bevölkerung abzubauen und zum Beispiel mit Kindergärten, Schulen oder Seniorenheimen zusammenzuarbeiten.

Frauen gehören bei der Feuerwehr immer noch zur Minderheit: "Leider stellen die Mitglieder auch heute noch keinen Querschnitt der Gesellschaft dar", sagt Vollmar. Von den 9213 Berufsfeuerwehrleuten sind 1,4 Prozent weiblich, bei der Freiwilligen Feuerwehr sind es 5,4 Prozent der 85 573 Mitglieder, bei der Jugendfeuerwehr sind es immerhin 16,5 Prozent. "Es gibt sogar einzelne Einheiten, die sich dafür einsetzen, dass sie keine weiblichen Mitglieder aufnehmen", sagt Vollmar. Der Grund liege vermutlich in dem teilweise immer noch vorherrschenden Klischee, Feuerwehr sei angesichts der körperlichen Anforderungen Männersache. Randgruppen bei der Feuerwehr sind außerdem auch auch Akademiker und Migranten. - dpa

Quelle: wa.de

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