Bezirksregierung gibt Verbot

Feuerwehr Erwitte darf nicht beim Hochwasser helfen

ERWITTE - Vielen Menschen in Deutschland steht es in diesen Tagen bis zum Hals. Dazu gehören auch 29 Einsatzkräfte der Feuerwehr Erwitte im Kreis Soest. Allerdings machen ihnen keine Wassermassen zu schaffen, sondern die deutsche Bürokratie.

Denn die hat einem freiwilligen Einsatz der Erwitter Brandschützer in ihrer Partnerstadt Aken in Sachsen-Anhalt an der Elbe jetzt Steine in den Weg gelegt. Das Innenministerium und die Bezirksregierung haben einen bereits geplanten Hochwasser-Einsatz der Freiwilligen nämlich untersagt.

Als „rechtswidrig“ bezeichnete ein Vetreter der Bezirksregierung gar das, was die 29 Erwitter Brandschützer in der Nacht zu Sonntag vorhatten: Mit einigen Fahrzeugen, die die Wehr vor Ort nicht dringend benötigt, Feldbetten, technischen Geräten und Verpflegung wollten sie sich auf den Weg nach Sachsen-Anhalt machen, um in ihrer Partnerstadt Aken bei der Deichsicherung an der Elbe ehrenamtlich zu helfen. Doch daraus wurde nichts: Innenministerium und Bezirksregierung bremsten die Brandschützer aus: Es gebe für die Feuerwehr Erwitte keinen Einsatzauftrag für die Partnerstadt. „Es ist wichtig, dass Hilfeleistungen nach einem koordinierten Prinzip ablaufen“, erklärt Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. Durch einen übergeordneten Plan solle verhindert werden, dass jeder da helfe, wo es ihm beliebt.

Die Krisenstäbe müssten den Überblick behalten. Und die Helfer aus dem Regierungsbezirk Arnsberg, darunter auch die Feuerwehrleute aus Erwitte, seien für Einsätze in Niedersachsen vorgesehen, heißt es aus dem Innenministerium. Außerdem dürften auch die Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser nicht aus den Augen verloren werden. Dafür würden sicherlich auch nochmal zusätzliche Kräfte benötigt, so der Sprecher der Bezirksregierung.

Der Grundschutz, den die Feuerwehr in ihren Heimatorten gewährleisten muss, sei ein weiterer Grund, warum der spontane Hilfseinsatz gestoppt wurde. Zwar hatten die 29 Hilfsbereiten ihre Aktion im Vorfeld genau geplant und dafür gesorgt, dass im Ernstfall genügend Einsatzkräfte in Erwitte zur Verfügung stehen, doch das genügte den Verantwortlichen nicht. Auch der Verband der Feuerwehren in NRW appelliert an die Kameraden „ausschließlich gemäß Einsatzaufträgen des Landes auszurücken“. Das sei eingeübt und funktioniere gut, heißt es in einer Mitteilung. Derzeit sind rund 3000 NRW-Feuerwehrleute in Hochwassergebieten im Einsatz.

Bei Kommunal- und Landespolitikern stößt der gestoppte Hilfseinsatz weiter auf Unverständnis: „Wir können doch nicht nur bei Schönwetter Städtepartnerschaft machen“, sagte Erwittes Bürgermeister Peter Wessel (CDU) empört. Der CDU-Landtagsabgeordnete Werner Lohn, Wahlkreisabgeordneter im Kreis Soest, bezeichnete das Hilfsverbot als „Schlag ins Gesicht für alle Hilfsbereiten“.

Die Opposition hat indes NRW-Innenminister Ralf Jäger dazu aufgefordert, im Innenausschuss des Landtags über diesen Vorfall zu berichten. Wären die Erwitter Feuerwehrleute übrigens privat nach Aken gefahren, wäre ihre Hilfe dort angekommen. Dann hätten sie sich nur über das Wasser und nicht auch noch über die Bürokratie ärgern müssen. - sho/dpa

Quelle: wa.de

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