In NRW fehlen bis 2030 fast 100.000 Altenpfleger

NRW - Trotz aller Studien und Bemühungen: 2030 werden in NRW an die 100.000 Altenpfleger fehlen. Der drohende Pflegenotstand könne mit professionellen Kräften allein nicht vermieden werden, sagen Experten.

Gütersloh (dpa/lnw) - Ohne einen grundlegenden Kurswechsel werden in Nordrhein-Westfalen bis zum Jahr 2030 fast 100 000 Altenpfleger fehlen. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung hervor. Die Zahl der Pflegebedürftigen steige bis dahin um 41 Prozent. Besonders große Lücken sieht die Studie in weiten Teilen des Ruhrgebiets. Bundesweit geht die Studie davon aus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 um 50 Prozent steigt und eine halbe Million Fachkräfte fehlen.

Der Vize-Vorstandsvorsitzende des Johanneswerks in Bielefeld, Bodo de Vries, forderte einen klaren Vorrang für die häusliche Pflege und mehr staatliche Unterstützung bei der Ausbildung von Altenpflegern. An der fachlichen Ausbildung dürfe aber nicht wesentlich gespart werden, sagte de Vries.

Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Stiftung, sagte: "Der drohende Pflegenotstand ist längst bekannt; die Reaktionen reichen jedoch von schlichter Panikmache bis hin zur Vogel-Strauß-Haltung." Der Pflegereport solle auf die drohende gefahr hinweisen. "Den Grundsätzen "Rehabilitation vor Pflege" und "ambulant vor stationär" muss auf allen Ebenen Geltung verschafft werden", forderte Mohn. "Wir brauchen darüber hinaus eine Mobilisierung der Zivilgesellschaft."

Auch de Vries bezeichnete nachbarschaftliche Solidarität, die sogenannte quartiernahe Versorgung und neue Wohnformen für alte Menschen als "wesentliche Stoßrichtung". Nach diesem Szenario, dass die Studie der Stiftung ebenfalls untersucht, würde sich die Lücke bei den Pflegekräften nahezu halbieren, auch in NRW. Das Johanneswerk betreibt in NRW 32 Altenpflege-Einrichtungen mit 3400 Pflegebedürftigen und 3450 Mitarbeitern.

"Aber es fehlen auf jeden Fall Pflegekräfte, viele Pflegekräfte", räumte de Vries ein und forderte eine stärkere staatliche Unterstützung. Das Johanneswerk habe derzeit in seinem Fachseminar Altenpflege in Bielefeld 60 neue Auszubildende im dualen System, nur 50 Plätze würden aber staatlich gefördert.

de Vries forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. "Wir warten dringend auf die Neuordnung der Pflegeberufe. Wir möchten, dass nicht mehr zwischen der Pflege von Kranken, Alten und Kindern unterschieden wird, sondern dass eine generalistische Ausbildung für den Pflegeberuf entsteht." Das erhöhe die Flexibilität.

Zugleich warnte de Vries davor, Lücken zunehmend mit nicht qualifizierten Arbeitskräften füllen zu wollen. "47,5 Prozent der Menschen, die zu uns kommen, sind nach weniger als einem Jahr tot. Wir reden hier von Palliativversorgung, von Sterbebegleitung, von Trauerarbeit mit Angehörigen", sagte de Vries. "Das kann man nicht mal eben so nebenbei machen, wenn man es nicht gelernt hat." - lnw

Quelle: wa.de

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