Windhundrennen in Gelsenkirchen

Immer dem falschen Hasen hinterher

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Die Whippet-Windhunde Darius z Osirisova Domu, der seinen Maulkorb verloren hat, und Vaya Con Dios Zandor laufen auf der Rennbahn im Windhundstadion Emscherbruch in Gelsenkirchen bei dem Windhunderennen "Großer Preis von Gelsenkirchen". Ungefähr 150 Hunde treten bei bis zu 100 Läufen an, Veranstalter ist der Windhundrennverein Westfalen-Ruhr.

GELSENKIRCHEN - Beim Windhundrennen in Gelsenkirchen wetzen über 170 Hunde einer umgebauten Kettensäge mit Flatterband hinterher. Die Anspannung der Tiere ist spürbar. Mehrere hundert Menschen schauen zu.

Die Tore öffnen sich, und die drei Windhunde schießen auf die Rennbahn. Sand spritzt unter den Pfoten hervor. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometern pro Stunde wetzen die drei Whippets, so der Name der Rasse, dem Ziel entgegen. Das Rennen ist 23 Sekunden und 355 Meter später vorbei. Shannon Down Rapid Fire siegt eine halbe Sekunde vor den anderen beiden Rüden.

Es ist Lauf Nummer 23 an Pfingstsonntag beim "Großen Preis von Gelsenkirchen" des Windhundrennvereins (WRV) Westfalen-Ruhr. Insgesamt 173 Hunde sind gemeldet. Auf dem Vereinsgelände stehen wie auf einem Campingplatz dicht gedrängt die Wohnwagen und Anhänger. Die Kennzeichen verraten die Herkunft der Teilnehmer aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden oder Finnland.

Nach kurzer Strecke am Campinggelände vorbei liegt die Rennbahn. Die 400 Meter lange Sandbahn ähnelt der Form eines Leichtathletik-Stadions, aber die schmalen Seiten steigen hier an. "Sonst würden die Hunde in der Kurve aus der Bahn fliegen", sagt Tessa Flemnitz vom Windhundrennverein. Die schnellsten Hunde, die Greyhounds, erreichen bis zu 80 Stundenkilometer.

Die Laufzeiten der Hunde werden auf eine Hundertstelsekunde genau angegeben. Während der Rennen haben acht Bahnbeobachter die Tiere im Blick. Ein Schiedsgericht entscheidet über eine Disqualifikation, sollte ein Hund einen anderen am Laufen hindern. Tessa Flemnitz betont: "Das Rennen ist eine reine Hobbyveranstaltung." Geld verdient hier kein Halter. Zu gewinnen gibt es Pokale, kein Preisgeld.

Für die Pokale ihrer Hunde könnte Petra Hanke in ihrem Haus im niedersächsischen Hildesheim mittlerweile ein eigenes Zimmer einrichten. Hanke ist seit 40 Jahren beim Hunderennen dabei. Nur Pokale mag sie nicht. "Ich mache das Etikett ab und gebe den Pokal zurück, dann kann der Verein den noch mal verwenden", sagt die Hundebesitzerin, die Shorts trägt. Ein paar hundert Menschen sehen den Rennen zu, immer wieder ist Hundegebell zu hören.

"Die zwei Seiten der Tiere faszinieren mich", erklärt Petra Hanke. Zu Hause seien die Hunde ruhig. "Jedes Kleinkind kann mit meinen Greyhounds spazieren gehen." Doch kurz vor dem Rennen sei alles anders. "Das Herz bubbert, die Tiere zittern, sind aufgeregt", beschreibt Hanke. "Wenn die Tiere dann Wild sehen, ist es vorbei."

Hunderennen beruhen auf dem Jagdinstinkt der Windhunde. Aber die Tiere jagen einem "mechanischen Hasen" hinterher. Im Gelsenkirchener Verein ist das Stück Marke Eigenbau. Der Motor besteht aus einer umgebauten Kettensäge, daran befestigt ist ein Stück Kaninchenfell und Flatterband. Das Ganze wird von der Mitte der Bahn aus ferngesteuert.

Doch bevor ein einziger Hund die Sandbahn betreten darf, muss Tierärztin Inge Görlinger ihr Einverständnis geben. Jedes Tier wird untersucht: Kreislauf, Schleimhäute, Muskulatur. Auch bei den Rennen ist Görlinger dabei. Sollte sich ein Hund ernsthaft verletzen, steht ein Rettungswagen der Deutschen Tierrettung bereit. Auch das Wetter spielt eine Rolle: "Ist es sehr warm, ist das eine Belastung für die Tiere", sagt Görlinger. Im Extremfall kann ein Rennen wegen zu großer Hitze abgesagt werden.

Im Vereinsheim stehen trotz des sommerlichen Wetters Rouladen, Klöße und Rotkohl auf dem Speiseplan. Dazu Kuchen, Kaffee, Bier. Viele Hundehalter kennen sich, grillen gemeinsam, geben sich Tipps zu Futter und Training. Der Ehrgeiz ist da, aber alle betonen: Windhundrennen soll ein Hobby bleiben. - dpa

Quelle: wa.de

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