Ermittlungen auch gegen Beamten eingeleitet

Fall von Polizeigewalt? Video zeigt Polizisten, wie er jungen Mann brutal in den Rücken tritt

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Die Szene aus dem Video: Der Polizist tritt den unbewaffneten Mann in den Rücken. 

[UPDATE 18.49 Uhr] Plettenberg - Der unbewaffnete junge Mann hat die Hände über dem Kopf. Er hat sich zum Fahrzeug gedreht, als ihn der Tritt des Polizisten in den Rücken trifft. Er stürzt nach vorne. Die eskalierte Verkehrskontrolle hat nun auch Folgen für den Beamten. 

Wie berichtet, hatte einer der Kontrollierten den Polizei-Einsatz gefilmt. Ihm war zwar das Handy abgenommen worden, zuvor hatte er die rund dreiminütige Videosequenz in eine Whatsapp-Gruppe geteilt. Von dort aus verbreitete es sich rasend in den sozialen Netzwerken schnell. 

Insbesondere der Tritt des Polizisten in den Rücken des mit erhobenen Händen vor ihm stehenden jungen Mann löst dort Unverständnis aus.

Ermittlungen gegen den Polizeibeamten

Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte der Hagener Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli, dass gegen den Beamten wegen des Verdachts auf Körperverletzung im Amt ermittelt werde. Auch die Verfahren gegen die fünf Insassen des kontrollierten Pkw wegen eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sowie Gefährdung des Straßenverkehrs  werden nun von Hagen aus geführt.

Stellungnahme der Polizei zum Vorfall

Am Donnerstag reagierte die Kreispolizeibehörde im Märkischen Kreis auf die Verbreitung des Videos in den sozialen Netzwerken und veröffentlichte am Nachmittag eine Stellungnahme zu dem Vorfall: 

"In den sozialen Medien wird zurzeit ein Video verbreitet. Es zeigt einen Auszug aus der Kontrollsituation. Der Polizei wird vorgeworfen, unangemessen vorgegangen zu sein.

Die Polizei nimmt die Kritik ernst und ist an einer sachlichen Aufklärung des Vorfalls interessiert. Das Video zeigt nur eine kurze Sequenz und bildet nicht den Gesamtsachverhalt ab. Dennoch wurde das Video zur strafrechtlichen Prüfung der Staatsanwaltschaft Hagen übersandt. Zur Wahrung der Neutralität wird das Gesamtverfahren an die Staatsanwaltschaft und das Polizeipräsidium Hagen abgegeben.

Das Video wurde durch einen Beifahrer gefertigt. Das Smartphone des 23-jährigen Plettenbergers wurde beschlagnahmt. Die Beschlagnahme wird richterlich geprüft. Ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Kunsturhebergesetz sowie Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes wurde eingeleitet."

Der 21-Jährige ging nach dem Tritt zum Arzt, ließ sich die Blessur am Rücken und eine Schramme am Bein dokumentieren, die er sich beim Sturz gegen das Auto zuzog. Zum Glück, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung, habe er den Kopf rechtzeitig einziehen können. 

Stimmung ist aufgeheizt

Wir haben uns dazu entschieden, im Folgenden die Videosequenz als Ganzes zu veröffentlichen, um den Vorfall zu dokumentieren (Der Tritt, um den es geht, ist ab Minute 1:45 zu sehen). Die handelnden Personen haben wir unkenntlich gemacht. 

In den gesamten drei Minuten des Films ist die Stimmung aufgeheizt. Die jungen Männer fragen immer wieder, was der Anlass für die Kontrolle ist. Dabei verwenden sie eine durchaus aggressive Sprache. Zu hören ist auch, wie einer der jungen Männer den Polizisten beleidigt.

Junge Männer kommen den Aufforderungen nicht nach

Die beiden Polizisten fordern die Männer immer wieder auf, einzusteigen. Drei von ihnen kommen der Aufforderung allerdings nicht nach und bewegen sich während der Videosequenz außerhalb des Fahrzeugs. 

Besonders ärgert sich ein Mann mit einem Hundewelpen im Arm darüber, dass der Polizist gedroht habe, seinen Hund mit Pfefferspray zu besprühen. Immer wieder redet er auf den Polizisten ein, geht auch vom Fahrzeug weg. 

Das Video zeigt nur einen kleinen Teil der Kontrolle

Allerdings sind in dem dreiminütigen Video keine tätlichen Angriffe zu sehen. Was vor Beginn der Sequenz und danach geschehen ist, ist nicht im Bild dokumentiert. 

So war der Stand am Mittwoch

Die „Verkehrskontrolle“ in Plettenberg lief am Dienstag völlig aus dem Ruder. Die Polizei erklärte, die Polizeibeamten seien tätlich angegriffen worden. Die Kontrollierten widersprachen. 

Sie hätten niemanden angegriffen. Ganz im Gegenteil: Das Vorgehen der Beamten sei hart und unverhältnismäßig gewesen. Einer der Kontrollierten sei zudem von einem Polizisten brutal in den Rücken getreten worden. Man werde Anzeige gegen den Beamten wegen Körperverletzung erstatten. Einer der jungen Männer sagt: „Wir sind hier doch nicht in Amerika.“

Gegen 16 Uhr war einer Polizeistreife der mit fünf Männern besetzte Wagen auf der Lehmkuhler Straße aufgefallen. Nach Angaben der Polizei ignorierte der 23-jährige Fahrer sämtliche Anhaltezeichen des hinter ihm fahrenden Polizei-Fahrzeugs. Auf der Grünestraße entsorgten die Insassen eine Substanz aus dem Fenster, schreibt die Polizei weiter. Später wurde aber nichts mehr gefunden. 

Erst auf der Straße „Unterm Grünen Berg“ konnten die Beamten den Wagen überholen und blockieren.“ Wie die Polizei weiter mitteilte, seien drei der fünf Insassen im Alter zwischen 21 und 25 Jahren sofort ausgestiegen. Einer der Männer wollte nach Darstellung der Polizei türmen, konnte aber gestoppt werden. 

Zwei Männer verhielten sich äußerst aggressiv und weigerten sich, ihre Ausweise vorzuzeigen. „Da war von Anfang an Feuer drin“, erinnert sich einer der Fahrzeuginsassen. Er habe die Fahrzeugpapiere genommen und sei ausgestiegen. 

„Da kam der Beamte schon mit gezogener Waffe auf uns zu und rief, wir sollten wieder einsteigen.“ Laut Polizei sei ein 21-jähriger Plettenberger immer drohend auf die Beamten zugekommen. Auch durch den Einsatz von Pfefferspray habe er sich nicht aufhalten lassen. Er beschimpfte die Polizeibeamten und drohte ihnen. Die Anwendung von Gewalt – die unter Umständen ein legitimes Mittel ist – erwähnte die Polizei in ihrer ersten Mitteilung nicht.

Laut Polizei zeigten drei der fünf Fahrzeuginsassen während der Kontrolle deutliche Hinweise auf Drogenkonsum. Ein Drogen-Schnelltest verlief allerdings negativ. Die jungen Plettenberger geben an, dass sie gar nicht auf Drogen getestet worden seien. Die Polizei durchsuchte das Fahrzeug und stellte nach eigenen Angaben „Utensilien sicher, die zum Konsum von Marihuana genutzt werden können“. Nach Angaben der jungen Männer hätten die Beamten aber nur Blättchen gefunden.

Quelle: wa.de

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