"Beton-Theorie" nicht zu klären

Euskirchen: War es eine britische 1,8-t-Luftmine?

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Spurensuche am Explosionsort in Euskirchen.

DÜSSELDORF - Der explodierte Blindgänger von Euskirchen war nach Einschätzung von Experten wahrscheinlich eine große britische Luftmine. Mit 1,8 Tonnen war sie so schwer wie die Luftmine, die im November zur größten Evakuierungsaktion seit dem Kriegsende in Dortmund geführt hatte.

Ob die Bombe in Euskirchen tatsächlich wie angenommen in Beton gegossen und dadurch nicht erkennbar war, habe nicht abschließend geklärt werden können, teilte die Polizei Euskirchen am Montag mit. Ein Erdwall und Lagerhallen hätten nach Einschätzung von Experten die Druckwelle noch abgeschwächt.

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Bei der verheerenden Explosion im rheinischen Euskirchen waren am Freitag ein 50-jähriger Baggerfahrer auf einem Recyclinggelände für Bauschutt getötet und elf Menschen verletzt worden. Die Stadt ging von Schäden an über 200 Gebäuden aus. Von den beiden 23 und 46 Jahre alten Schwerverletzten hat nach Polizeiangaben einer das Krankenhaus verlassen.

"Wir sind mittlerweile ziemlich sicher, dass es sich um eine britische Luftmine gehandelt hat", sagte Rolf Vogelbacher von der Kampfmittelräumung bei der Bezirksregierung Düsseldorf dem WDR. Er sprach von einem "sehr großen Kampfmittel". Die Bombe mit der Bezeichnung H.C. 40009 LB MK IV sei etwa 2,80 Meter lang und habe einen Durchmesser von 76 Zentimeter, teilte die Polizei mit.

Die 1,8 Tonnen schwere Bombe sei mit 1,3 Tonnen Sprengstoff verschiedener Art gefüllt. Dadurch werde eine sehr hohe Druckwelle freigesetzt. Durch die zylindrische Form erinnere die Bombe an einen Warmwasserspeicher und weniger an eine Bombe.

Mit 1,8 Tonnen hatte die Luftmine von Euskirchen die gleiche Größenordnung wie jene, die im November mit großem Aufwand in Dortmund entschärft worden war: 20 000 Menschen waren vorsorglich in Sicherheit gebracht worden, Polizeihubschrauber durften das Gebiet nicht überfliegen. In Euskirchen hinterließ die Mine eine Spur der Verwüstung.

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Allein die Stadtverwaltung registrierte Schäden an Gymnasium, Rathaus und am neuen Betriebshof. Unüberschaubar sei die Zahl der betroffenen Autobesitzer, sagte der Euskirchener Bürgermeister Uwe Friedl (CDU). Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft konnte den materiellen Schaden in der Stadt noch nicht abschätzen.

Als Umschlagplatz für die Deutschen Truppen am Westwall sei Euskirchen im Zweiten Weltkrieg häufig bombardiert worden, sagte Friedl. Pro Jahr gebe es bis zu vier Bombenfunde in der Stadt. Die Baggerführer in der Stadt seien sehr erfahren, auch der getötete.

Quelle: wa.de

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