Experten: PCB-Problem in NRW ist nicht gelöst

DÜSSELDORF - PCB zählt zu den giftigsten Stoffen der Erde. Es wurde bis in die 1980er Jahre massenhaft in Baustoffen verwendet. Trotz vieler Sanierungen vor allem in Schulen und Kindergärten sind noch nicht alle Probleme gelöst.

Die PCB-Belastung in Kindergärten, Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden Nordrhein-Westfalens ist auch Jahrzehnte nach dem Verbot des Giftstoffs nicht vollständig gelöst. Diese Auffassung vertraten mehrere Sachverständige am Mittwoch in einer Anhörung des Düsseldorfer Landtags.

Auch bei Asbest, Formaldehyd, gesundheitsschädlichen Mineralfasern und anderen Schadstoffen gibt es nach Ansicht der Experten noch Handlungsbedarf. Eine gründliche Untersuchung der Schadstoffe in Innenräumen sei eher die Ausnahme, sagte die Sachverständige für Baubiologie, Martina Clemens-Ströwer. Auch Ingenieur Holger Kruse vom Institut für Baustellensicherheit befand: "Abgearbeitet ist die Problematik noch nicht."

Ganz anders sehen das die kommunalen Spitzenverbände als Träger vieler öffentlicher Gebäude. Nach Erlass der nordrhein-westfälischen PCB-Richtlinie 1996 seien die großen Fälle bis zum Jahr 2003 durchaus abgearbeitet worden, versicherte der Umweltexperte des Städtetags NRW, Axel Welge. Eine Abfrage bei den Kommunen habe ergeben, dass es höchstens noch Einzelfälle gebe, in denen zuvor kein PCB vermutet werden konnte. Ohne Einverständnis der Kommunen könne er dem Landtag diese Fälle aber nicht nennen.

Die Piratenfraktion, die die gemeinsame Anhörung der Ausschüsse für Gesundheit und Kommunalpolitik beantragt hatte, kritisierte, hier würden "Mess-Ergebnisse unter Verschluss gehalten". Sie fordert eine systematische Untersuchung der Gesundheitsgefahren und eine Melde- und Veröffentlichungspflicht für alle Daten.

Schwere Vorwürfe gegen die öffentlichen Arbeitgeber an Schulen und Kindertagesstätten erhob die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Lehrer, die wegen Schadstoffen krank würden, würden nicht ernst genommen, kritisierte der stellvertretende Landesvorsitzende Sebastian Krebs. Vor Gericht hätten Betroffene keine Chance nachzuweisen, dass ihre Beschwerden mit Schadstoffen im Schulgebäude zusammenhingen. Die GEW fordert daher eine Umkehr der Beweislast: "Wenn Schadstoffbelastungen im Gebäude und gesundheitliche Beeinträchtigungen von Beschäftigten festgestellt wurden, muss der Arbeitgeber nachweisen, dass sie nicht dort entstanden sind."

Das hält Bauingenieur Kruse für aussichtslos. "Ob das über die Raumluft kommt oder über andere Kanäle ist nicht nachzuweisen. Das macht auch die Anerkennung als Berufskrankheit so schwierig." In der Innenraumluft gebe es bis zu 300 Substanzen, erläuterte Chemiker Volker Plegge. "Für den Großteil gibt es keine gesundheitliche Bewertung", sagte der Experte für Innenraumhygiene. Das mache auch Forderungen nach rechtsverbindlichen Grenzwerten für solche Schadstoffe problematisch.

In Klassenräumen nütze auch Lüften zu wenig, sagte Umweltmesstechniker Volker Gutzeit. Wichtig sei daher, künftig mit unbedenklichen Stoffen zu bauen. Erhebliche Altlasten sieht Schadstoffexpertin Clemens-Ströwer in Schulcontainern. In den vergangenen Jahrzehnten waren viele Schulen mit solchen Containern erweitert worden. "Die existieren immer noch. Oft sind dort erhebliche Konzentrationen von Formaldehyd zu messen." - lnw

Quelle: wa.de

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