Experte: Fledermaus in Gefahr - durch Windräder

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In einem alten Eiskeller unweit der brandenburgischen Ortschaft Buckow hält Peter Eichelkraut von der Naturwacht Märkische-Schweiz ein Großes Mausohr (lat. Myotis myotis) in seinen Händen, um die Ringnummer abzulesen.

WESEL - Die Sympathie des Menschen für die Fledermaus ist nach Meinung des Fledermausexperten Carsten Trappmann besser geworden. Menschen schaffen Unterschlüpfe, für "fledermausfreundliche Häuser" gibt es vom Naturschutzbund Nabu neuerdings sogar eine Plakette. Trotz dieser Sympathie drohe der Fledermaus eine neue Gefahr durch den Menschen, meint Trappmann zum Treffen nordrhein-westfälischer Fledermausschützer am Samstag in Wesel.

Frage: Sie fürchten um die Fledermaus, warum?

Antwort: Es ist wenig bekannt, dass Fledermäuse auch durch Windenergieanlagen gefährdet sind. Und das ist ein Faktor, der immer mehr zunimmt: Nordrhein-Westfalen möchte ja auch den Wald zur Windenergiegewinnung nutzen und das wird den Fledermäusen schaden.

Frage: Können die den Windrädern mit ihrem Sonarsystem nicht ausweichen?

Antwort: Die Rotoren sind das Problem. Die haben eine so hohe Geschwindigkeit, dass Fledermäuse die gar nicht wahrnehmen können. Die Tiere geraten direkt da rein und verenden sofort, erleiden Knochenbrüche oder durch die Luftdruckveränderungen werden innere Organe zerrissen.

Frage: Wie groß ist die Bedrohung?

Antwort: Das ist ein Problem, dessen Ausmaß wir noch nicht abschätzen können. Wir wissen, dass Fledermäuse durch Windenergieanlagen gefährdet sind, aber wir wissen nicht, in welchem Maße. Es gibt zwar Messungen und Hochrechnungen, aber niemand kann sagen, wie viele Tiere an einer Windenergieanlage tatsächlich zu Tode kommen.

Frage: Wie geht es denn der Fledermaus in NRW generell?

Antwort: Man muss sagen, einigen Arten geht es gut, anderen geht es nicht so gut. Durch den massiven Anbau von Mais in der Landwirtschaft fehlen den Fledermäusen abwechslungsreiche und nahrungsreiche Jagdgebiete.

Frage: Wer hat zu kämpfen?

Antwort: Der Mopsfledermaus geht es schlecht, dem Grauen Langohr und der Bechsteinfledermaus.

Frage: Woran fehlt es der Mopsfledermaus?

Antwort: Die Mopsfledermaus hat ihre Quartiere an Bäumen, hinter abgeplatzter Rinde. Die gibt es nur an abgestorbenen Bäumen. Das sind aber die Bäume, die als erste gefällt werden. Die Mopsfledermaus hat dann kein Zuhause mehr.

Frage: Was müsste man tun?

Antwort: Man müsste den Wald unordentlicher lassen.

dpa

 

Quelle: wa.de

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