NRW erweitert Pflegeheim-Tests

DÜSSELDORF ▪ DÜSSELDORF ▪ Die Landesregierung will sich nicht mit dem bestehenden umstrittenen Bewertungssystem nach Schulnoten für Alten- und Pflegeheime zufrieden geben. Deshalb wird in NRW neben den Ziffernoten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) künftig auch die Heimaufsicht eigene „Zeugnisse“ erstellen, die eine beschreibende Bewertung der Pflegequalität enthalten. „Wir brauchen mehr Tranzparenz in der Pflege“, sagt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Die Heimaufsicht habe bereits damit begonnen, ein umfassendes Bild von der Pflegequalität jedes der 2000 Pflegeheime und 1000 Behinderteneinrichtungen zu ermitteln, erläutert Ministeriumssprecher Stephan Pohlkamp. Auf Grundlage des Wohn- und Teilhabegesetzes müssten Heimleitung, Bewohnerbeirat und Angehörige jeweils separat 74 Fragen beantworten. „Das ergibt ein sehr viel genaueres Bild über die Pflegequaltität als simple Ziffernoten“, so Pohlkamp. In NRW leben derzeit rund 150 000 Menschen in Pflegeheimen.

Der Medizinische Dienst im Auftrag des Bundes überprüfe nur, ob ein Mensch qualifiziert und gut gepflegt werde. Die Heimaufsicht hierzulande solle bewerten, wie gut die darüber hinausgehende Betreuung ist. Es gehe im Detail darum, ob sie ein selbstbestimmtes und selbstständiges Leben führen können, ob ihre Privat- und Intimsphäre ausreichend geschützt werde, ob sie Wertschätzung erfahren, sich mit anderen Menschen austauschen und am gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Leben teilnehmen – und nicht zuletzt darum, ob sie auch in Würde sterben könnten. Auch die Ergebnisse dieser landesseitigen Prüfung sollen im Internet veröffentlicht werden. Die dazu nötige Rechtsverordnung werde es vor der NRW-Landtagswahl am 9. Mai aber nicht mehr geben.

Gegen die Veröffentlichung der MDK-Noten im Internet gibt es inzwischen eine Flut von Klagen: Mehr als 200 Heime gehen gerichtlich dagegen vor.

Das Landessozialgericht in Essen will ab nächster Woche beraten, ob das Testverfahren rechtmäßig ist, insbesondere ob die aus Teilnoten gebildete Gesamtnote Bestand haben soll.

DETLEF BURRICHTER

Quelle: wa.de

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