Erstes Geständnis im Kölner Kunstfälscher-Prozess

KÖLN - Nach einem Jahr Schweigen hat der erste Angeklagte in einem der größten Kunstfälscher-Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte gestanden.

Die insgesamt vier Angeklagten können mit milderen Strafen und einem kurzen Verfahren rechnen.

Das Landgericht Köln stellte ihnen gestern Gefängnisstrafen von höchstens sechs Jahren und die Einstellung der weiteren Ermittlungen in Aussicht. Voraussetzung seien Geständnisse, die zur „rückhaltlosen Aufklärung“ der Vorwürfe beitrügen, sagte der Vorsitzende Richter Wilhelm Kremer.

„Ich habe die Bilder allein gemalt“, sagte Wolfgang B. (60). Er habe auch darüber entschieden, wie und wann die gefälschten Gemälde von Avantgarde-Künstlern des beginnenden 20. Jahrhunderts verkauft werden sollten.

„Es hat mir damals richtig Spaß gemacht.“ Der Ernst seines Vorgehens sei ihm erst in der Untersuchungshaft bewusst geworden. Das Quartett soll über Jahre hinweg mindestens 47 gefälschte Werke von Avantgarde-Künstlern in den internationalen Kunstmarkt geschleust und fast 16 Millionen Euro kassiert haben. International bekannte Auktionshäuser und namhafte Kunstexperten fielen auf die Fälschungen von Werken von Max Pechstein, Max Ernst und Heinrich Campendonk herein.

Das Gesetz sieht für den Anklagevorwurf des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs bis zu zehn Jahre Haft vor. Wolfgang B. soll nach Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigern höchstens sechs Jahre ins Gefängnis, Helene B. vier Jahre und der „Cheflogistiker“ Otto S.-K. fünf Jahre. Für Jeanette S. schlug das Gericht eine zweijährige Bewährungsstrafe vor.

Wolfgang B. betonte, er habe keinen Experten bestochen. Bereits 1994 habe er einen gefälschten Campendonk verkauft. „Geld allein hat mich nicht wirklich interessiert.“ Er habe eine Abneigung gegen den Kunstmarkt verspürt und gegen „professionelle Experten“. In seinem Kopf sei er „ein Stück weit zum jeweiligen Maler selbst geworden“ und habe sich durchaus berechtigt gefühlt, dessen Werk zu ergänzen. Auf Flohmärkten habe er alte Rahmen, Leinwände und Farben gekauft. Für ein Bild habe er nur zwei Stunden gebraucht. „Einen Linkshänder malte ich mit links.“ - dpa

Quelle: wa.de

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