Kritik von Naturschützern

Regen und Wärme? Egal! Ski und Rodel gut in Winterberg

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Auf dem Kunstschnee-Teppich sind die ersten Abfahrten möglich.

WINTERBERG - Der Winter lässt auf sich warten, aber im Sauerland rutschten die ersten Snowboarder und Skifahrer einen Hang hinunter. Der weiße Teppich auf der grünen Wiese wurde aus dem Kühlschrank gezaubert. Wintersportler freut das, Naturschützer mahnen.

Von Jörg Taron

Nur einige Steinwürfe von der Ruhrquelle entfernt beginnt der Winter: Am Samstag tummelten sich auf einer 200 Meter langen Kunstschneepiste in Winterberg Skifahrer und Snowboarder. Möglich hat das eine "Scherbeneis-Anlage" gemacht, die Liftbetreiber Florian Leber in den vergangenen Wochen laufen ließ. Den Schnee aus der Kühltruhe hat er mit einer Pistenraupe den Hang hinaufgeschoben.

"Ich sehe nur lachende Gesichter, mich eingeschlossen", sagt er am Samstag beim Saisonstart. Viele Wintersport-Freunde waren zum Teil bis zu 200 Kilometer weit angereist, um auf ihren Brettern die aus der Kühltruhe gezauberte Piste zu testen. Dem Spaß dabei taten auch der trübe Himmel und die eher herbstlichen Temperaturen keinen Abbruch.

Rund 500.000 Euro koste eine solche Anlage laut Leber. Er hatte sie eigentlich angeschafft, um sich damit im Winter unabhängig von Frost und Schneefall zu machen. "Das ist einfachste Technik." Nach dem Kühlschrank-Prinzip werden kleinste Eisplättchen erzeugt. Diese werden dann beim Auswalzen zu einer Schneedecke. "Das hat die Qualität von harschigem Frühlingsschnee", sagt Susanne Schulten von der Wintersport-Arena.

Im Saisonstart bei Plusgraden sehen Naturschützer wie der Vorsitzende des BUND im Hochsauerlandkreis, Gerd Kistner, "Energievernichtung pur". Außerdem sieht er die technische Verlängerung der Wintersaison auch aus anderen Gründen kritisch: "Durch die monatelange Schneedecke bleibt die Vegetation auf der Strecke." Und die für die Beschneiung nötigen Wasserspeicher brächten den Wasserhaushalt der Region durcheinander. "Die künstliche Verlängerung des Winters kann der Natur nur schaden."

Der Winterberger Kurdirektor Michael Beckmann ist dagegen froh über die Anstrengungen, mit denen Leber der Natur ein Schnippchen schlagen will: "Wir leben vom Tourismus. Von solchen Investitionen profitieren nicht nur die Liftbetreiber, sondern auch die Hoteliers, Dienstleister und Handwerker."

Mit der Technik könne die Schneesicherheit besser sichergestellt werden, sagt Beckmann. Sicher entferne man sich damit vom Ziel eine CO-2-neutralen Wintersports. "Aber den Großteil der Emissionen haben wir durch die Anreise der Gäste mit dem Auto. Da müssen wir etwas tun." Ob sich sein Aufwand mit der Eismaschine lohnt, will Liftbetreiber Leber im Frühjahr ausrechnen. Vielleicht kann er ja sogar demnächst bei kritischen Wetterbedingungen Schnee an seine Kollegen verkaufen. Zunächst einmal freut es ihn, dass sein Angebot gut ankommt. "Wenn es gut läuft, machen wir durch bis Ostersonntag." - lnw

Quelle: wa.de

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