Erneut Rote Laterne für das Bildungsystem in NRW

KÖLN ▪ Das NRW-Bildungssystem hat erneut schlechte Noten erhalten. Im „Bildungsmonitor“ des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gehört NRW auch 2010 zu den Schlusslichtern.

Unter den 16 Bundesländern belegt NRW den drittletzten Platz. Spitzenreiter ist – wie schon 2009 – Sachsen, vor Thüringen, Baden-Württemberg und Bayern. Den letzten Platz belegt NRW laut der Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bei den Betreuungsbedingungen an Schulen und Hochschulen. Noch immer müssten Lehrer in NRW mehr Schüler unterrichten als im Bundesdurchschnitt. Hier kamen 2008 auf einen Grundschullehrer rund 19,2 Schüler. Beim Spitzenreiter Thüringen waren es nur 13,7 Schüler. In der Sekundarstufe II muss ein Lehrer in NRW im Mittel 14,4 Schüler unterrichten, in Thüringen nur 9,5. Die NRW-Hochschulen sind laut der Studie Schlusslicht beim zahlenmäßigen Verhältnis Lehrkraft/Studierende.

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Woran liegt es denn, dass das Bildungssystem in Nordrhein-Westfalen trotz der erheblichen Investitionen der vergangenen Jahre nicht vom Fleck zu kommen scheint? Dieser Eindruck ergibt sich jedenfalls durch das erneut schlechte Abschneiden beim Bildungsmonitor 2010.

Ganz so düster, wie es der 14. von 16 Rängen unter den Bundesländern erscheinen lässt, sieht Bildungsexperte Oliver Stettes die Situation in NRW gar nicht. Der Wissenschaftler hat die Daten für den Bildungsmonitor des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft erhoben und sagt: „NRW hat sich deutlich verbessert seit Beginn des Bildungsmonitors im Jahr 2004.“ Zum Beispiel bringe NRW inzwischen deutlich mehr Abiturienten und Hochschulabsolventen hervor. Auch die Einführung zentraler Abschlussprüfungen habe einen Qualitätsschub gebracht. Hauptursache für das erneut schlechte Abschneiden im Vergleich der Bildungssysteme seien die schlechten Betreuungsrelationen in NRW. Die Klassen seien noch immer zu groß, und es fehlten passgenaue Förderangebote für Schüler mit Migrationshintergrund.

Insbesondere hier müsse NRW investieren, um nach vorne zu kommen. „Wenn es nur gelingt, die Schüler mit Migrationshintergrund auf das Niveau der einheimischen Schüler zu bringen, wäre das ein Riesenschub“, sagte Stettes unserer Zeitung. An dieser Stelle anzusetzen sei weitaus erfolgversprechender, als sich an der Schulstrukturfrage „festzubeißen“, empfahl der Bildungsforscher der neuen rot-grünen Minderheitsregierung.

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann sieht sich bestätigt. SPD und Grüne hätten entschieden, die aufgrund sinkender Schülerzahlen frei werdenden Mittel im System zu belassen. Das Geld werde dazu genutzt, die Lernbedingungen zu verbessern – zum Beispiel durch den Ausbau von Ganztagsschulen.

Der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung ist das nicht konkret genug. Ihr Vorsitzender Udo Beckmann forderte die Landesregierung auf, „alles zu tun, dass an den Schulen in NRW endlich kleinere Klassen ermöglicht werden und damit eine Voraussetzung für eine verbesserte individuelle Förderung geschaffen wird“.

Quelle: wa.de

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