Bahnstreik führte zu Umsatzrückgang der Einzelhändler

+
Der Bahnstreik sorgte oftmals für ungehaltene Kunden, wie auch Verkäuferin Elenore Kaniuth feststellen musste.

Düsseldorf - "Die Korken knallen. Das ist das erste Mal seit Monaten, dass ich positiv gestimmt bin", sagt Petra Happich am Donnerstag nach dem angekündigten Ende des Lokführerstreiks bei der Deutschen Bahn.

Sie besitzt ein Schmuckgeschäft im Kölner Hauptbahnhof und ist jetzt zuversichtlich: "Es könnte sein, dass die Umsätze fürs Wochenende gerettet sind." Die vergangenen Streiks hätten sich dramatisch ausgewirkt. An Streiktagen habe sie einen Umsatzrückgang von bis zu 80 Prozent gehabt.

Streik kostete viele Nerven

"Der Urlauber, der Bummler, der Entspannte - der fehlt." Ihr Laden habe Stammkunden aus München und Frankfurt, die beim Umsteigen das Geschenk für die Frau kauften - die aber seien während der Streiks natürlich nicht gekommen. Der Lokführerstreik hat die Einzelhändler in den Bahnhöfen viele Nerven gekostet: "Die Auswirkungen und Nachwehen des Streiks sind entsetzlich", sagt Astrid Schäfer.

Sie koordiniert im Hauptbahnhof Köln zwei Bäckerei-Filialen, einen Würstchenstand und einen Kiosk. Der Umsatz habe sich halbiert. Zudem seien die Kunden aufgrund des Streiks ungehalten und unfreundlich gewesen. "Da ist es ein großer Kraftakt, das Prinzip Freundlichkeit aufrechtzuerhalten", sagt Schäfer.

Umsatzeinbußen bis zu 40 Prozent

Deshalb sei es anstrengender als an normalen Tagen gewesen, obwohl weniger los gewesen sei. Das hat Daniel Pekowski am Düsseldorfer Hauptbahnhof anders erlebt. Während des Streiks seien die Kunden an seiner Donuttheke freundlicher als sonst gewesen. "Weil sie mehr Zeit haben und entspannter sind", sagt Pekowski. Am Donnerstag bildeten sich am Snack-Shop ein paar Meter weiter wieder lange Schlangen.

An Streiktagen sei nur etwas los gewesen, wenn eine der wenigen S-Bahnen mit Pendlern angekommen seien. "Mein Chef hat deswegen weniger Ware bestellt", erzählt Verkäuferin Eleonore Kaniuth. Götz Grauert, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bahnhofsbuchhändler, hatte überhaupt kein Verständnis für den Lokführerstreik. Für seinen eigenen Buchhandel im Düsseldorfer Hauptbahnhof rechnete er mit Umsatzeinbußen von 30 bis 40 Prozent. Gegen die Auswirkungen der Streiks konnte er nichts tun.

Streiks führen zu Resignation der Händler

"Man nimmt es einfach hin. Wir sind ratlos und hilflos", sagte Grauert am Dienstag. Nach drei Streiks allein in diesem Jahr habe er schon ein wenig resigniert. Nach dem Streikende sind die Mitarbeiter im Buchladen nun erleichtert. "Ich hoffe mal, das wieder Leute in den Laden kommen", sagt Verkäufer Stefan Deutschen am Donnerstag.

Im Schuhgeschäft am Düsseldorfer Hauptbahnhof hat Verkäuferin Ivana Göttlicher wenig vom letzten Streik mitbekommen. "Es war deutlich entspannter als während der letzten Streiks, wo gar nichts mehr gefahren ist", sagt sie. Manche ihrer Kollegen seien betroffen gewesen, weil sie eine Bahn früher oder später hätten nehmen müssen. "Ich hoffe, dass sie sich jetzt endlich einigen. Es ist jetzt gut", sagt Margarethe Wrede. In ihrer Apotheke am Düsseldorfer Hauptbahnhof rechnet sie mit einem Drittel weniger Umsatz.

Sonderaktionen abgesagt

Wegen des Bahnstreiks hatte sie für Freitag eine Sonderaktion abgesagt. Den Termin kann sie jetzt so kurzfristig nicht mehr auf die Beine stellen. "Für mich ist da ein Stein runtergefallen, Gott sei Dank!" sagt der Kölner Schmuck- und Uhrenhändler Ernst-Dieter Mollerus erleichtert.  

"Wenn die Züge ab Freitag wieder einigermaßen nach Plan fahren, können wir mit einer Normalisierung des Kundenpotenzials rechnen". Er geht von einem Umsatzrückgang von mehr als 50 Prozent während des Streiks aus. Nun hofft der Ladeninhaber, dass sich Lokführer und Bahn längerfristig einigen werden. -dpa

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare