"Ehrenmord": Angehörige wollen schweigen

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Der Onkel des Opfers, Hussain K. (rechts) verbirgt auf der Anklagebank im Landgericht in Hagen sein Gesicht.

[UPDATE 16.30 Uhr] HAGEN/SCHALKSMÜHLE - Ein Kopfschuss tötet eine 20-jährige Libanesin. Die Mutter und weitere Angehörige sollen für die Bluttat verantwortlich sein. Für die Anklage ist es ein Mord, durch den die Ehre der Familie wieder hergestellt werden sollte. Am Freitag begann der Prozess.

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Familie vor Gericht

Der sogenannte "Ehrenmord" an einer Libanesin auf einem Autobahnparkplatz bei Lüdenscheid beschäftigt seit Freitag das Landgericht im westfälischen Hagen. Die Leiche der 20-Jährigen war im August 2008 gefunden worden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Mutter, ein Bruder und zwei Onkel des Opfers an der Bluttat beteiligt waren. Alle vier müssen sich nun wegen Mordes vor Gericht verantworten. Im Prozess wollen sie zwar keine Angaben machen. Der Rechtsanwalt der 48-jährigen Mutter erklärte jedoch: "Meine Mandantin weist den Vorwurf der Staatsanwaltschaft entschieden zurück. Die Anklage ist für sie schlicht nicht nachvollziehbar."

Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass die Libanesin sterben musste, weil sie mit ihrem "westlichen Lebenswandel" ihren kurdischen Familien-Clan gegen sich aufgebracht hatte. Die Angehörigen sollen der jungen Frau vorgeworfen haben, sie kleide sich zu freizügig, treffe sich häufig mit fremden Männern und rauche in der Öffentlichkeit. Nachdem die 20-Jährige in ein Frauenhaus nach Iserlohn geflüchtet war, soll der Familienrat die Tötung beschlossen haben. Damit habe die Ehre der Familie wieder hergestellt werden sollen, so die Anklage.

Die Mutter soll die 20-Jährige schließlich in die Falle gelockt haben, indem sie am Telefon eindringlich darum bat, dass ihre Tochter nach Hause zurückkehrte. Nachdem die 20-Jährige eingewilligt hatte, soll die Mutter die übrigen Verwandten informiert haben, ihre Tochter könne am Abend wie geplant verschleppt und getötet werden. Durchgeführt wurde die Bluttat laut Anklage von einem mittlerweile 51 Jahre alten Onkel, einem jetzt 20-jährigen Bruder und einem aktuell 23 Jahre alten Cousin des Opfers. Der Cousin ist bereits in einem ersten Prozess wegen Mordes zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Der zweite nun angeklagte Onkel soll am Tag zuvor den Autobahnparkplatz als geeigneten Tatort festgelegt haben.

Die 20-Jährige wurde auf dem Parkplatz "Sterbecker Siepen" an der A45 mit einem Kopfschuss getötet. Der 51-jährige Onkel hatte sich nach der Bluttat nach Finnland abgesetzt und konnte erst im September 2012 festgenommen werden. Für den Prozess hat das Hagener Landgericht bislang 33 Verhandlungstage angesetzt. - lnw

Quelle: wa.de

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