Ehemann 16 Jahre nach Tötung seiner Frau verurteilt

[UPDATE 13.45 Uhr] BONN - 16 Jahre wurde eine Arzthelferin aus dem Rheinland vermisst - bis man ihre Leiche entdeckte. Jetzt wurde der damalige Ehemann wegen Totschlags verurteilt.

Mehr als 16 Jahre nach dem Verschwinden einer Arzthelferin aus Rheinbach bei Bonn ist der damalige Ehemann wegen Totschlags zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Der Angeklagte hatte im Prozess vor dem Bonner Schwurgericht gestanden, seine Frau am 20. März 1996 nach einem heftigen Streit mit einem Kissen erstickt zu haben. Bis Anfang des Jahres galt die Frau als vermisst.

Der gelernte Physiotherapeut ging nach Überzeugung der Kammer mit einem unbedingten Vernichtungswillen vor: Seine Frau sollte sterben. Was jedoch wirklich am Tatabend zwischen den Eheleuten passiert ist, warum der Streit eskalierte, das konnten auch die Bonner Richter nicht aufklären. Dass es auch Mord gewesen sein könnte, das bleibe Spekulation, dafür gebe es keinerlei Beweise.

Das Gericht sah es aber als erwiesen an, dass der heute 57 Jahre alte Angeklagte die Tote in einem Wald bei Bad Honnef verscharrte und dann der Familie und den Freunden erklärte, seine Frau habe sich mit einem reichen Portugiesen ins Ausland abgesetzt, ihr gehe es gut. Das Lügengeflecht hielt er 16 Jahre lang aufrecht, heiratete noch zweimal und wurde Vater zweier heute 14 und 6 Jahre alter Kinder.

Das Verbrechen wurde erst Anfang des Jahres entdeckt, als die Familie der Frau die Vermisste für tot erklären lassen wollte. Die Polizei nahm daraufhin neue Ermittlungen auf, im April gestand der Angeklagte.

Das Geständnis habe einen großen Wert, hieß es im Urteil. Denn ohne das Geständnis hätte die Polizei den Mann wieder laufen lassen müssen, es wäre nicht zum Prozess gekommen. Strafschärfend wertete die Kammer jedoch, dass der Angeklagte jahrelang die Familie - teilweise ohne Not - hinters Licht geführt und Lügen über die Getötete verbreitet habe. Der Angeklagte muss nun der Mutter des Opfers 3567 Euro Schadensersatz zahlen - das sind die Beerdigungskosten.

Der 46-jährige Bruder der getöteten Frau zeigte sich mit dem Urteil einverstanden: "Die Richter haben ein gutes Urteil gesprochen: Meine Schwester wurde rehabilitiert, das ist das Wichtigste." Elf Jahre, so der Bruder, sei für seinen ehemaligen Schwager eine lange Zeit. "Das ist eine große Sühne für ihn."

Oberstaatsanwalt Robin Faßbender, der zwölf Jahre Haft gefordert hatte, hält das Urteil "für sehr gut vertretbar". Ob die Verteidigung das Urteil anfechten will, wird sich erst in den nächsten Tagen entscheiden: Erst einmal müsse der Angeklagte das hohe Urteil verkraften.

Quelle: wa.de

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