Duisburgs Ex-Oberbürgermeister Sauerland wird erst einmal „privatisieren“

Adolf Sauerland verlässt das Rathaus.

DUISBURG - Nach einer emotionalen Abschiedsfeier für seine Mitarbeiter hat der abgewählte Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) am Mittwoch das Rathaus verlassen. Kurz danach verkündete der Wahlausschuss der Stadt das amtliche Endergebnis.

Für die Abwahl hatten am vergangenen Sonntag und bei der Briefwahl in den Wochen zuvor 129 626 Bürger gestimmt, dagegen 21 538. Damit sei der Oberbürgermeister nach der Gemeindeordnung NRW abgewählt, teilte die Stadt mit. Mit Ablauf des Mittwochs endete seine Amtszeit.

Der CDU-Mann und ehemalige Berufsschullehrer war 2004 in der lange SPD-geprägten Industriestadt überraschend an die Macht gekommen. Er brachte auch nach Meinung von Kritikern frischen Wind in die Stadt und Fortschritte beim Strukturwandel, etwa bei der Entwicklung des Innenhafens. In seiner schwersten Stunde als Stadtoberhaupt nach der Loveparade mit 21 Toten versagte er nach allgemeiner Einschätzung aber. Sauerland übernahm keine Verantwortung und entschuldigte sich viel zu spät bei den Opfern. Dafür wählten die Bürger ihn mit einer unerwartet klaren Mehrheit ab.

Vor etwa 80 Mitarbeitern im „Mercator-Zimmer“ des Rathauses bedankte sich Sauerland bewegt für die enge Zusammenarbeit seit 2004, wie Teilnehmer schilderten. Dabei seien auch Tränen geflossen – sowohl bei ihm als auch bei Mitarbeitern. Die Presse war zu der Feier nicht zugelassen. Der Stadtdirektor und kommissarische Verwaltungschef Peter Greulich (Grüne) lobte Sauerlands menschlichen und persönlichen Führungsstil, der nach Schilderung von Mitarbeitern morgens mit einer Handschlag-Begrüßung für den Pförtner begann.

Sauerland werde erst einmal „privatisieren“, hieß es aus seinem Umfeld. Der 56-Jährige hat vier Kinder, die noch zur Schule gehen. „Er war ja Lehrer; die vier können sich jetzt auf eine deutlich engere Hausaufgabenbetreuung freuen“, sagte ein Vertrauter. Rathausschlüssel und Diensthandy habe er längst abgegeben, auch das Anrecht auf die Fahrbereitschaft sei natürlich erloschen. Sobald es wieder wärmer werde, fahre Sauerland ohnehin lieber Motorrad.

In der Stadt hat unterdessen schon die Suche nach einem Nachfolger begonnen. Die SPD spricht dabei mit FDP, Linken, Grünen und der Abwahlbürgerinitiative. Für die Neuwahl gilt eine Sechs-Monats-Frist, angepeilt wird der 17. Juni als Wahltermin. - dpa

Quelle: wa.de

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