Duisburger "Problemhaus": 300 Demonstranten

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Dieser Wohnblock in Duisburg ist unter anderem Gegenstand der Demonstrationen.

DUISBURG - Ein versprengtes Häuflein von Rechtspopulisten, linke Gegendemonstranten - und dazwischen viele besorgte Nachbarn, die seit einem Jahr über das Duisburger "Problemhaus" klagen. Sie sind jetzt alle in die Straße "In den Peschen" gekommen.

Wer sind die Guten, wer sind die Bösen? Das ist an diesem Donnerstag im Duisburger Stadtteil Rheinhausen-Bergheim gar nicht so einfach zu sagen. Gut 300 Menschen sind in die Straße "In den Peschen" gekommen, wo seit Monaten ein mit Hunderten Südosteuropäern überbewohnter Wohnkomplex für Ängste in der Nachbarschaft sorgt - und teils auch für handfeste Proteste. Als "Problemhaus" hat das Gebäude in dem sonst eher gutbürgerlichen Bezirk bundesweit Schlagzeilen gemacht.

Ein versprengtes Grüpplein der ausländerfeindlichen Splitterpartei "Pro Deutschland" hat sich auf einer Grünfläche an einer von der Polizei abgeriegelten Kreuzung aufgebaut. Mit einem weißen Kleinbus touren die Rechtspopulisten derzeit durch etliche Städte. In Berlin war "Pro Deutschland" dabei, als es rund um ein Flüchtlingsheim im Stadtteil Hellersdorf Gerangel gab. In Duisburg stehen jetzt an Absperrgittern Polizisten, die Schutzhelme bereithalten. Die Beamten trennen die zehn Rechten von den anderen Demonstranten.

Unter den anderen gut 300 Menschen, die es auf die Straße gezogen hat, sind viele Nachbarn, die sich seit rund einem Jahr über Dreck und Lärm an dem "Problemhaus" beschweren. Viele der Anwohner stehen auch im übertragenen Sinn zwischen den Rechten, die die Zustände in Bergheim für ihre Ziele instrumentalisieren, und den Demonstranten, die sich gegen "Pro Deutschland" in Stellung gebracht haben. "Wenn die alle weg sind, dann haben wir das Palaver vor der Tür", sagt ein Mann mit Blick auf all die Demonstranten, Politiker und Journalisten.

"Man überlegt sich, wegzuziehen", sagt ein anderer Mann, der mit seiner Frau, seiner Schwester und seiner Nichte hergekommen ist. Die Straße "In den Peschen" sei an diesem Donnerstag auffällig aufgeräumt gewesen, meint der Mann, der seinen Namen lieber nicht nennen will. Sonst sehe es dort ganz anders aus. Man erkenne es noch an den Ölflecken auf der Straße, wo sonst alles zugeparkt sei, sagt er. Es bleibt diffus, ob der Mann und die Frauen gekommen sind, um gegen die Rechtspopulisten oder die Zuwanderer zu demonstrieren. "Damit das irgendwann ein Ende nimmt", sagt eine der Frauen lediglich auf die Frage nach der Motivation.

Am anderen Ende der Straße hat sich ein Lastwagen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) positioniert, Musik dröhnt aus Lautsprechern. Das ganze hat beinahe etwas von einem Folklorefest. "Wir kümmern uns drum", ruft Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) den Menschen vor der improvisierten Bühne zu. Link sagt ihnen aber auch: "Wir werden diese Probleme nicht alleine lösen (...), wir brauchen dafür Hilfe."

Konkret verlangt er Unterstützung vom Land Nordrhein-Westfalen, vom Bund, aber auch von der Europäischen Union. Geld für Sprachförderung, Gesundheitsleistungen, Integrationsmaßnahmen sei nötig. Der Bundesinnenminister müsse Ernst machen mit einem Wiedereinreisestopp für Zuwanderer, die in Deutschland kriminell geworden seien. Die EU müsse dafür sorgen, dass die Zuwanderer auch in ihren Heimatländern - in Rumänien und Bulgarien - eine Perspektive haben.

In den Häusern "In den Peschen 3-5" sind offiziell 564 Menschen gemeldet, nebenan in der Immobilie Beguinenstraße 1-3 sind es nach Angaben der Stadt Duisburg 205 Bewohner. In Wahrheit wohnen vermutlich noch sehr viel mehr Menschen in den überbelegten Gebäuden.

Einige der Bewohner stehen mit verschränkten Armen auf der Straße. Sie wissen anscheinend nicht so genau, was vor ihrer Türe vor sich geht, wer die Guten, wer die Bösen sind, vermutet auch ein Polizeisprecher. "Wir achten jetzt darauf, dass nicht mehr so viel Lärm gemacht wird", sagt Cristian Dumitru vom Verein "Stimme der Migranten". Auf seinem Smartphone zeigt er Fotos und Videos von Nachbarschaftsaktionen der Hausbewohner. In dem Moment kommt einer der Zuwanderer vorbei, der eine Deutschlandflagge schwenkt - ein Symbol des Aufeinanderzugehens an diesem Tag der Kontroverse. - dpa

Quelle: wa.de

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