Duisburger "Problemhäuser": Zuwanderer müssen raus

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Duisburg - Die Stadt Duisburg hat zwei heruntergekommene Wohnhäuser, in denen arme Zuwanderer aus Rumänien leben, für unbewohnbar erklärt. Die mehr als 100 Menschen in den sogenannten "Problemhäusern" müssen bis Ende des Monats ausziehen, teilten Vertreter der Stadt jetzt mit.

Bei einem Ortstermin seien erhebliche Missstände in den Häusern festgestellt worden, die der Vermieter nicht habe beseitigen wollen. Grundlage für die Verfügung ist das im April in Kraft getretene Wohnungsaufsichtsgesetz, das Kommunen helfen soll, leichter gegen Vermieter sogenannter "Schrottimmobilien" vorzugehen.

Die Vertreter von Ordnungs- und Wohnungsamt sprachen von "unhaltbaren Zuständen" in den 47 zum Teil schon verlassenen Wohnungen im Duisburger Stadtteil Rheinhausen. So gibt es in den Häusern keinen Strom mehr, auch die Wasserversorgung soll Ende des Monats gekappt werden.

"Wir haben Fäkalien in fast allen leerstehenden Wohnungen, weil sie als Aborte benutzt worden sind", schilderte Stadtsprecherin Anja Kopka. Ungezieferbefall, ausgehebelte Fenster, Feuchtigkeit und Schimmelbefall sowie eine lebensgefährliche Stromverkabelung zählte sie als weitere Mängel auf. Die Stadt gehe davon aus, dass der Vermieter eine siebenstellige Summe investieren müsse, um das Haus wieder bewohnbar zu machen.

Am Mittwoch seien die Familien persönlich von Mitarbeitern der Stadt und in Begleitung eines Dolmetschers informiert worden. Alternative Unterkünfte will die Stadt Duisburg nicht zur Verfügung stellen. "Wir gehen davon aus, dass sich die Menschen selbst versorgen", sagte Sozialamtsleiterin Andrea Bestgen-Schneebeck. Allein in Duisburg gebe es 10 000 freie Wohnungen.

Es sei aber auch davon auszugehen, dass die Familien in andere Städte ausweichen werden, ansonsten werde man "Notmaßnahmen überlegen". Beratung für die Familien gebe es vor Ort auch durch Sozialarbeiter einer städtisch-finanzierten Initiative.

Im April hatte die Stadt eine "Taskforce Problemimmobilien" damit beauftragt, verwahrloste Mietshäuser in Duisburg unter die Lupe zu nehmen. Gibt es gravierende Missstände, werden sie für unbewohnbar erklärt. "Es ist kein Gesetz gegen die Bewohner, es ist ein Gesetz gegen den Vermieter", betonte Sprecherin Kopka.

Vermietern, die mit solchen Mietwohnungen aus der Not der Menschen Profit ziehen, könne man damit Grenzen aufzeigen. Nach und nach prüft die Stadt nun insgesamt 50 Objekte. Auch in Gelsenkirchen und Dortmund sind auf Basis der neuen Regelung bereits unbewohnbare Mietshäuser dicht gemacht worden.

Als "Problemhäuser" hatten die Wohnungen in einem eher gutbürgerlichen Stadtteil immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. In den überbelegten, heruntergekommenen Wohnungen lebten zwischenzeitlich mehr als tausend Menschen - überwiegend Roma aus Rumänien -, die vor der Armut in ihren Heimatländern geflüchtet waren.

In Deutschland leben sie ausschließlich von Kindergeld und sind für den Arbeitsmarkt nur unzureichend qualifiziert, wie Sozialarbeiter schildern. Nachbarn klagten über Lärmbelästigung und Müllberge.

Weil bereits Anfang des Jahres ein weiteres Wohnhaus des Komplexes wegen Einsturzgefahr geschlossen worden war und weil die Zustände immer dramatischer geworden waren, halten sich nach Angaben dort eingesetzter Sozialarbeiter noch rund 100 Menschen auf. - dpa/lnw

Quelle: wa.de

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