Duisburg kämpft um Imagewandel

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Hinter zwei Hochöfen von ThyssenKrupp geht im Duisburger Stadtteil Marxloh die Sonne unter.

DUISBURG - Duisburg wehrt sich nicht gegen das Image einer Industriestadt: Ein ehemaliges Stahlwerk wird als Touristenattraktion vermarktet. Um den Titel "Schönste Stadt der Welt" will man sich trotzdem nicht bewerben. Immerhin schwindet die Erinnerung an das Loveparade-Unglück.

Duisburg wehrt sich nicht gegen das Image einer Industriestadt: Ein ehemaliges Stahlwerk wird als Touristenattraktion vermarktet. Um den Titel "Schönste Stadt der Welt" will man sich trotzdem nicht bewerben. Immerhin schwindet die Erinnerung an das Loveparade-Unglück.

Mehr als eineinhalb Jahre nach der Loveparade in Duisburg hat die Bedeutung der Katastrophe mit 21 Toten für das Image der Revierstadt bereits deutlich abgenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Management und Tourismus, die am Donnerstag von der Duisburg Marketing GmbH auf der Tourismusmesse ITB in Berlin vorgestellt wurde.

Während bei einer ersten Befragung im Jahr 2010 nur wenige Monate nach der Loveparade 7,6 Prozent der Teilnehmer beim Stichwort Duisburg spontan die Katastrophe erwähnt hätten, habe sich dieser Anteil ein Jahr später auf vier Prozent nahezu halbiert, hieß es. Bei der Online-Untersuchung mit der Frage "Was fällt Ihnen spontan zu Duisburg als Reiseziel ein?" waren im Herbst 2010 zunächst 1000 Menschen befragt worden, gut ein Jahr später nahmen 818 Menschen an der Studie teil.

"Die national wahrgenommene Top-Spontan-Assoziation zu Duisburg ist weiterhin die einer Ruhrgebietsstadt mit hoher industrieller Prägung und dem größten Binnenhafen", so der Verfasser der Studie, Professor Bernd Eisenstein.

Mit noch deutlich weniger Nennungen als die Loveparade musste sich dagegen die Kulturhauptstadt 2010 als Imagefaktor für die Revier-Kommune zufriedengeben. Während 2010 noch 2,1 Prozent der Befragten die Kulturhauptstadt nannten, fiel im vergangenen Jahr nur noch weniger als jedem hundertsten Befragten (0,9 Prozent) im Zusammenhang mit Duisburg das kulturelle Großereignis ein.

Zu den touristischen Höhepunkten der Stadt zählen die Tourismusmanager dagegen neben dem Duisburger Sportpark den in einem stillgelegten Stahlwerk angelegten Landschaftspark Duisburg-Nord. Der Park hatte im vergangenen Jahr mehr als eine Million Besucher angelockt.

Mit Hochofen-Besichtigungen, einem Hochseilklettergarten oder auch einem in einem alten Gasometer angelegten Tauchrevier sei der Park auch ein international bekanntes Ausflugsziel, hieß es. In diesem Jahr seien dort zahlreiche Veranstaltungen wie eine Kunst-Installation in einem bislang verschlossenen Bunker oder ein Kino in einer ehemaligen Gießhalle geplant.

"In Duisburg haben wir alle Chancen, uns touristisch positiv zu vermarkten, nicht als schönste Stadt der Welt, aber erfolgreich als spannendes und attraktives Ziel für Individualisten", so der Geschäftsführer der Duisburg Marketing-Gesellschaft Uwe Gerste.

Stichwort Duisburg:

Mit rund 492.000 Einwohnern ist Duisburg die westlichste Großstadt im Ruhrgebiet. Deutschlandweit rangiert die Industriestadt am Zusammenfluss von Rhein und Ruhr auf Platz 15 der größten Städte. Gegründet wurde Duisburg vor über 1100 Jahren. Der Duisburger Hafen gilt als einer der größten Binnenhäfen der Welt.

In der Nachkriegszeit war Duisburg eine der reichsten Städte Deutschlands - vor allem dank Kohle und Stahl. Doch die Kohlekrise seit den späten 1950er Jahren und der Strukturwandel ließen die Arbeitslosigkeit steigen. Heute ist die Stadt - wie viele andere im Ruhrgebiet - überschuldet und kann seit Jahren keinen genehmigungsfähigen Haushalt aufstellen.

Die Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg endete in einer Katastrophe: 21 Menschen starben, 541 wurden verletzt. Wer Schuld an dem Unglück trägt, ist bis heute nicht geklärt. Der amtierende Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) wurde nach der Loveparade durch einen Bürgerentscheid im Februar 2012 abgewählt.

Quelle: wa.de

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