Düsseldorfer Rotlicht-Skandal: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

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Beim Düsseldorfer Rotlicht-Skandal sollen Freier betäubt worden sein, um ihre Kreditkarten zu plündern. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben.

DÜSSELDORF -  Im Düsseldorfer Rotlicht-Skandal hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen acht Verdächtige erhoben. Das bestätigten das Düsseldorfer Landgericht und der Kölner Rechtsanwalt Abdou Gabbar am Dienstag.

"Rotlicht"-König Bert Wollersheim sei nicht dabei. In Düsseldorfer Bordellen sollen Freier reihenweise mit K.o.-Tropfen, Kokain-Mixturen und anderen "bewusstseinstrübenden Mitteln" willenlos gemacht worden sein, damit die Täter ihre Kreditkarten plündern konnten. Die Anklage listet 27 Fälle auf.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten gewerbsmäßigen Betrug, schwere Körperverletzung, Vergiftung, räuberische Erpressung und Raub vor. Die Ermittler halten Ex-Bordell-Betreiber Thomas M. für den Drahtzieher der Machenschaften. Die "Bild"-Zeitung hatte zuerst über die Anklage berichtet.

Bei einer eigens eingerichteten Telefon-Hotline hatten sich sogar etwa 50 mutmaßliche Geschädigte, auch aus Übersee, bei der Polizei gemeldet. Die Rotlicht-Betriebe wurden von der Stadt Düsseldorf im Juli für mehrere Monate geschlossen und konnten erst mit neuer Geschäftsführung wieder öffnen. Zeitweise saßen neun Beschuldigte in Untersuchungshaft.

Die Düsseldorfer Rotlicht-Größe Bert Wollersheim kam im August wieder auf freien Fuß. Die Ermittlungen hatten ihn entlastet. So soll er einen Mitarbeiter wegen des K.o.-Tropfen-Verdachts gefeuert haben, der dann von Thomas M. wieder eingestellt worden sein soll.

Die Staatsanwaltschaft greife in ihrer 633 Seiten starken Anklageschrift auf eine "hochgradig abstruse Rechtskonstruktion" zurück, sagte Verteidiger Gabbar. So werde dem einstigen Chef der Bordell-Kette, Thomas M., eine "mittelbare Täterschaft" zur Last gelegt. "Das ist eine Schreibtischtäter-Konstruktion, die man aus SED- und NS-Prozessen kennt." Bei einem wichtigen Zeugen der Anklage handele es sich zudem um einen notorischen Lügenbold, sagte Gabbar.

Gabbars Mandant Oguz G. sitzt derzeit wie Thomas M. in Untersuchungshaft. Der Verteidiger wies darauf hin, dass der gegen G. verhängte Haftbefehl zwischenzeitlich vom Landgericht aufgehoben worden war, weil das Gericht keinen dringenden Tatverdacht gesehen habe. Das Oberlandesgericht hatte ihn aber wieder in Kraft gesetzt und G. "eine Woche vor Weihnachten" erneut hinter Gitter geschickt.

Das Oberlandesgericht sah im Dezember dringende Anhaltspunkte, dass Bordell-Mitarbeiter finanzkräftigen Kunden heimlich Kokain, Medikamente oder K.o.-Tropfen verabreichten. Teilweise sollen die Kredit- oder Scheckkarten bis ans Limit belastet und mehrere 10.000 Euro abgebucht worden sein. Einzelne, noch benommene Kunden sollen nach dem Erwachen unter der Drohung, man werde sie sonst nicht gehen lassen, weitere Zahlungen geleistet haben.

Thomas M. habe die Geschäftspolitik bestimmt, befand das OLG. Er stehe im Verdacht, selbst aktiv daran mitgewirkt und Mitarbeiter angewiesen haben, Gäste "auszunehmen".-dpa/lnw

Quelle: wa.de

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