Wegen Luxus-Flügen:

Düsseldorfer Oberbürgermeister in der Kritik

+

DÜSSELDORF - Erste-Klasse-Flüge und die Folgen: In Düsseldorf ringt Oberbürgermeister Dirk Elbers mit einer Diskussion um vermeintlichen Luxus und angemessene Amtsführung.

Nach Bischof Tebartz-van Elst ist auch der Düsseldorfer Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) wegen Erster-Klasse-Flüge in die Diskussion geraten. Die "Bild"-Zeitung hatte herausgefunden, dass Elbers als Aufsichtsratschef der städtischen Düsseldorfer Messe bei langen Interkontinental-Flügen in der Premiumklasse Platz nimmt. Rund 11 000 Euro koste so ein Flug im Vergleich zu 800 in der Economy-"Holzklasse" und 4000 auf den Business-Sitzen.

Die nun entbrannte Diskussion kommt dem Stadtoberhaupt denkbar ungelegen, nicht nur, weil just beschlossen wurde, das Verpflegungsgeld für die Düsseldorfer Kita-Kinder um 20 Prozent zu erhöhen.

Düsseldorf soll als reiche Kommune mit einem Solidarpakt zugunsten armer Städte zur Kasse gebeten werden. Seither ist man bemüht vorzurechnen, dass man so reich gar nicht sei und hat eine Klage gegen die Umlage angekündigt. Mit einer Werbekampagne war die Landeshauptstadt zudem gegen ihr Schickimicki-Image angegangen.

Aber nun muss sich der 53-Jährige vorhalten lassen, dass nicht einmal NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und ihr Kabinett erste Klasse fliegen. Auch die Stadtoberhäupter der deutlich größeren Städte München, Hamburg und Berlin mieden die Premiumklasse.

Elbers' Herausforderer Thomas Geisel (SPD) findet die Business-Klasse "völlig ausreichend". Plötzlich scheint der drahtige Geisel im Vorteil: Mit seinen 1,70 Meter ist er fast zwei Köpfe kleiner als Elbers und musste sich dafür bislang reichlich Spott gefallen lassen.

Der beleibte 1,97-Meter-Hüne Elbers dürfte sich in der Economy-Klasse deutlich schwerer tun. Er könnte sogar mit einiger Berechtigung die Thrombose-Gefahr anführen, die ihm bei so einem langen Flug drohen würde. Die Düsseldorfer Messe betont, die Erste Klasse werde auf sehr langen Strecken nur dann gebucht, wenn direkt im Anschluss Termine anstehen. Auch Elbers' Vorgänger hätten dies in Anspruch genommen.

Doch der Luxus, in Düsseldorf keineswegs verpönt, erweist sich als Fluch. Wegen 15 Flaschen gratis gelieferten Champagners war Elbers sogar unter Korruptionsverdacht geraten. Noch rechtzeitig vor seinem Wahlkampf im kommenden Jahr hatte er das Verfahren im Sommer gegen Zahlung von 10 000 Euro Geldauflage beenden können.

Elbers' Sprecherin Natalia Fedossenko wird nun zitiert, Vergleiche mit dem beurlaubten Limburger Bischof seien "perfide". Immerhin wird dem Oberbürgermeister kein sündhaft teurer Rathaus-Umbau vorgeworfen, sondern nur ein neues Vordach im Rathaus-Innenhof, unter dem der städtische Würdenträger seine neue Mercedes-Dienst-S-Klasse trockenen Fußes verlassen kann.

Daimler sei ein wichtiger Arbeitgeber in der Stadt, deswegen fahre er Mercedes, hatte Elbers zur Diskussion um seine neue Dienstlimousine gesagt. Kritiker könnten einwenden, in der Stuttgarter Angebotspalette gebe es nicht nur die S-Klasse. Außerdem werden in Düsseldorf Mercedes-Transporter gebaut. In einen Smart passe er nunmal nicht hinein, hatte Elbers gekontert, als ihn die Karnevalsnarren deswegen aufs Korn nahmen.

Im benachbarten Köln sind die Ford-Werke angesiedelt. Entsprechend fährt Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) einen Ford Mondeo als Dienstwagen und ist luxusmäßig fein raus. Im Gegensatz zu Elbers: Der Steuerzahlerbund tadelt ihn und die oppositionellen Grünen empfehlen ihm ökologisch korrekt, sein "gesamtes Mobilitätsverhalten zu überdenken".

Immerhin: Den Papst muss der christlich-demokratische Volksvertreter Elbers nicht fürchten, auch da hinkt der Bischofs-Vergleich. Aber der Souverän, die Düsseldorfer, haben im kommenden Jahr über eine weitere Amtsperiode abzustimmen.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare