Prozess in Düsseldorf

Heiße Dusche: Hotelgast soll 500 Euro bekommen

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Symbolbild

Düsseldorf - Der Besuch in einem Düsseldorfer Hotel blieb einer Göttingerin in schmerzhafter Erinnerung. Die Hoteldusche habe ihr Verbrühungen zweiten Grades zugefügt. 500 Euro könnte sie dafür bekommen - vielleicht.

"Vom Augenschein her sind das Fleischwunden", sagt Amtsrichter Lars Busch. Er meint die Fotos vom Rücken der Klägerin, die sich in seinen Akten befinden. Drei handtellergroße weiße Hautflecken, das sei heute noch übrig von jenem schmerzhaften Vorfall vor einem Jahr, sagt der Anwalt der Frau. Am Tag der Abreise habe seine Mandantin, eine Dame aus Göttingen, in einem Düsseldorfer Hotel geduscht, als plötzlich die Kaltwasserzufuhr stoppte und ihr extrem heißes Wasser über den Rücken gelaufen sei.

Eine Schiebetür habe verhindert, dass sie sich mit einem Sprung rasch habe in Sicherheit bringen können. Zunächst habe die Frau kein großes Aufheben um den Vorfall machen wollen, aber dann habe sich noch auf der Rückreise an ihrem unteren Rücken die Haut abgelöst. Erst nach zwei Wochen seien die Wunden so weit verheilt gewesen, dass sie keine Schmerzen mehr gehabt habe.

3000 Euro Schmerzensgeld fordert ihr Anwalt nun von der Herberge, es sollen anfangs sogar 5000 Euro gewesen sein. Doch die Hotelbetreiberin sträubt sich, ebenso deren Versicherung. Mit mehreren Tagen Verspätung habe man schriftlich von dem angeblichen Vorfall erfahren, sagt der Anwalt des Hotels. Eine Pflicht zum Einbau einer Sicherheitsarmatur, die bei 38 Grad abriegelt, gebe es nicht, auch wenn die Gegenseite dies behaupte. Es habe auch "noch nie" einen ähnlichen Vorfall in dem Hotel gegeben. Deswegen treffe seine Mandantin keine Schuld.

Richter Busch bemüht sich am Mittwoch in Saal 2.138 des Amtsgerichts um eine gütliche Einigung. 3000 Euro Schmerzensgeld, das wäre bei einem Monat Krankenhausaufenthalt angemessen, aber nicht in diesem Fall. Mit 500 Euro an die Klägerin könne der Rechtsstreit aus seiner Sicht aber rasch beigelegt werden.

Die Warmwasseranlage in dem Hotel müsse andernfalls von einem Sachverständigen unter die Lupe genommen werden. Bei Druckschwankungen etwa sei nicht ausgeschlossen, dass das Hotel Vorkehrungen hätte treffen müssen. Auch wenn die Göttingerin ihren Ehemann als Zeugen aufbieten könne, liege das Prozessrisiko eindeutig auf ihrer Seite (Az.: 31 C 12351/14).

Dass die Frau unabsichtlich und unbemerkt selbst die Temperatur verstellt haben könnte, halten immerhin beide Seiten für unwahrscheinlich: Die besagte Dusche funktioniere altmodisch mit zwei Wasserhähnen, nicht mit einem Hebel.

Mit 500 Euro wolle man sich eigentlich nicht abspeisen lassen, gibt der Anwalt der Klägerin zu erkennen, der wie das Ehepaar eigens aus Göttingen zum Prozesstermin nach Düsseldorf gekommen ist. Sollten sich die Parteien nicht einigen, will das Gericht am 19. Juni verkünden, ob und wie es in dem Fall weitergeht. - dpa

Weitere Kuriose Prozesse um Schmerzensgeld:

SALUTSCHÜSSE: Die ostwestfälische Stadt Büren hatte im September 2005 eine 20 Mann starke Gebirgsschützenkompanie aus der österreichischen Partnergemeinde Mittersill zu Gast. Als die Trachtenträger ihre Karabiner abfeuerten, erlitt ein 64-Jähriger ein Knalltrauma. Der Mann klagte gegen die Stadt. Das Landgericht Paderborn stufte den Vorfall als allgemeines Lebensrisiko ein und wies die Klage ab. In einem Vergleich vor dem Oberlandesgericht Hamm wurde ihm dann 2007 ein Schmerzensgeld von 1700 Euro zugesprochen.

ZUGEBISSEN: Für einen kräftigen Biss in die große Zehe einer Kellnerin verurteilte das Amtsgericht Gelsenkirchen 2005 einen Kneipengast zur Zahlung eines Schmerzensgeldes von 400 Euro. Zuvor hatte sich nach Angaben der Klägerin der Inhalt eines umgestoßenen Bierglases über die Kleidung und den nur mit einer Sandale bekleideten Fuß ergossen. Der Gast habe den Fuß ergriffen und heftig zugebissen. Die Behauptung des Mannes, die Frau habe ihn zum Ablecken des Fußes aufgefordert, fand bei dem Richter kein Gehör.

GARTENZWERG-ATTACKE: Ein Angriff auf Gartenzwerge kam einen jungen Mann teuer zu stehen. Auf ein "Schmerzensgeld" von 6200 Euro einigte er sich mit dem Betreiber des "Zwergenparks Trusetag" in Südthüringen 2003 vor dem Landgericht Meiningen. Der Mann hatte vier Jahre zuvor stark betrunken auf dem Gelände Zwerge kaputt geschlagen, andere in einen Teich geworfen und Zwergenhäuser zerstört.

HAARSCHNITT: Kein Glück hatte ein unzufriedener Kunde mit seiner Schmerzensgeldklage gegen einen Friseur, der seine Haare statt um 2,5 um 5 Zentimeter gekürzt hatte. Das Landgericht Dortmund wies 2002 die Berufung zurück. Es habe weder eine schwere Verletzung des Persönlichkeitsrechts noch eine Körperverletzung vorgelegen. Schließlich seien dem Dortmunder die Haare nicht vollständig abrasiert worden.

Quelle: wa.de

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