Schlag gegen Rechtsextreme - Verbindungen zu Pro NRW

[UPDATE 15.10 Uhr] KÖLN - Der Name klingt harmlos: "Freundeskreis Rade". Doch dahinter verbirgt sich nach Erkenntnissen von Ermittlern eine Neonazi-Gruppe aus dem Bergischen Land. Sehr jung, sehr gewaltbereit. Am Mittwoch holte die Polizei zum Gegenschlag aus.

Mit einer großangelegten Razzia ist die Polizei am Mittwoch gegen eine Gruppe junger Neonazis in Radevormwald im Bergischen Land vorgegangen. Drei Beschuldigte wurden verhaftet, 15 andere verhört. In Radevormwald, Wuppertal, Düsseldorf und Essen durchsuchte die Polizei insgesamt 20 Wohnungen und Geschäfte. Mehr als 100 Beamte waren beteiligt.

Die Gruppe trägt den Namen "Freundeskreis Rade" und besteht nach Schätzungen der Polizei aus 20 bis 25 jungen Männern. Sie werden den sogenannten Autonomen Nationalisten zugerechnet. Die Polizei durchsuchte auch das Fraktionsbüro der Splitterpartei Pro NRW in Radevormwald. Bei zwei der Verhafteten wurden Mitgliedsausweise von Pro NRW gefunden, einer der anderen Beschuldigten sitzt für Pro NRW im Stadtrat von Radevormwald. Pro NRW wird unter Extremismusverdacht vom Verfassungsschutz beobachtet. Man habe Erkenntnisse, dass es auch finanzielle Verbindungen zwischen Pro NRW und dem "Freundeskreis Rade" gebe, sagte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers.

Vor allem einer der Verhafteten gilt den Angaben zufolge als gefährlich. Da damit gerechnet wurde, dass er sich wehren würde, rückte zu früher Morgenstunde ein Spezialkommando an. Alle Aktionen fanden zur selben Zeit statt, damit sich die Verdächtigen nicht noch schnell vorwarnen konnten. Zwischenfälle gab es nicht.

Nach der morgendlichen Razzia präsentierte die Polizei in Köln beschlagnahmte Pistolen, Messer und andere Waffen. "Wir sehen, dass diese Gruppe sehr gewalttätig ist", sagte Albers. Wolfgang Joest, Leiter der Inspektion Staatsschutz bei der Kölner Polizei, sagte: "Dass es auch Schusswaffen sind, davon waren wir schon überrascht." Die Gewaltbereitschaft sei offenbar schon fortgeschritten. Den beiden verhafteten Pro-NRW-Mitgliedern wird unter anderem Körperverletzung zur Last gelegt. Außerdem wird ihnen die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.

Ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft sagte, man prüfe jetzt, wie stark die Gruppe in der rechtsextremen Szene vernetzt sei. Fest stehe bereits, dass sie sich auch an Veranstaltungen außerhalb der eigenen Region beteiligt habe. Von den drei Verhafteten ist der eine 20 Jahre alt, die beiden anderen sind 18. Die drei sollen führende Köpfe der Gruppe sein.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) teilte mit, der erfolgreiche Schlag zeige, dass die Regierung konsequent gegen den braunen Sumpf vorgehe. Polizeipräsident Albers bestritt, dass die Aktion von Jäger angeordnet worden sei, um kurz vor der Landtagswahl Entschlossenheit und Tatkraft zu demonstrieren. "Es ist so, dass diese Maßnahmen langfristig vorbereitet wurden", sagte Albers. "Da war von Wahlkampf noch gar keine Rede." - lnw

Der rechtsextreme "Freundeskreis Rade":

Der rechtsextreme "Freundeskreis Rade" aus Radevormwald im Bergischen Land umfasst nach Polizei-Angaben etwa 20 bis 25 junge Männer. Die Gruppe wird den Autonomen Nationalisten zugerechnet, die sich in Kleidung und Auftreten kaum von linksextremen Autonomen unterscheiden. Sie bekennen sich diesen Angaben zufolge offen zu Gewalt gegen Polizisten und politische Gegner und versuchen, eine neue, sehr junge Klientel ansprechen. Manche Mitglieder sind nicht älter als 15.

Die Polizei hält den "Freundeskreis Rade" für sehr gewaltbereit. "Die Gruppe will verängstigen und Unruhe schüren", erläutert Wolfgang Joest, Leiter der Inspektion Staatsschutz der Polizei Köln. "Die Hemmschwelle, jemanden anzugreifen, ist sehr niedrig." Auch Alkohol spiele dabei eine Rolle. Aus Justizkreisen hieß es, früher hätte man eine solche Gruppe vielleicht noch als Gang abgetan. Aber seit den Mordtaten der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) wisse man, wohin das führen könne.

Quelle: wa.de

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