Dortmunder U als Zentrum für Kreativität eröffnet

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Riesige Tauben rücken am Dortmunder U per Videoinstallation ins Blickfeld. ▪

DORTMUND ▪ Fritz Pleitgen genießt Wiederholungen. Der Geschäftsführer der Ruhr 2010 spricht jedes Mal von einem „Höhepunkt“, wenn er Aktivitäten im Kulturhauptstadtjahr vorstellt. Diese Bewertung kam ihm gestern in Dortmund routiniert wie immer über die Lippen, doch seine Begeisterung steigerte sich noch. Von Bernd Luig

„Das Dortmunder U steht für mich für ein Wunderwerk“, frohlockte Pleitgen zur Eröffnung des „Zentrums für Kunst und Kreativität“ in dem ehemaligen Brauerei-Turm. Es sei ein Symbol für Kraft und Zuversicht und zeige, was Energie und Fantasie für große Ideen bewirken können.

Sein Hinweis, dass dieses Gebäude auch zwei Eröffnungen verdiene, macht das momentane Dilemma des bekannten Komplexes am Hauptbahnhof deutlich. Vom gepriesenen „Wunderwerk“ sieht der Besucher im Augenblick sehr wenig. Erst Schritt für Schritt werden die Räume und die sieben Etagen fertiggestellt – bis zur endgültigen Eröffnung im Oktober. „Das ist doch eine schöne Inszenierung, wenn wir ständig ein bisschen mehr zeigen können. Das freut den Intendanten“, sagte Ulrich Sierau, der Dortmunder Oberbürgermeister.

Die Bauarbeiten in dem ehemaligen Kellereihochhaus laufen weiterhin auf Hochtouren. Bohrmaschinen-Lärm übertönt das Steigerlied, mit dem Adolf Winkelmann seine Panoramabilder im künftigen Foyer untermalt. Der Dortmunder Regisseur hinterlässt im und am Gebäude jetzt schon bleibende Eindrücke. Von ihm stammen auch die kurzen Szenen mit Schauspielern wie Dietmar Bär, Peter Lohmeyer oder Katharina Wackernagel, an denen die Besucher demnächst vorbeischweben, wenn sie die Rolltreppen benutzen.

Noch größere Wirkungen erhofft sich Adolf Winkelmann von seiner Installation oben an der Außenfassade des Turmes. Auf 56 transparenten Matten mit Leuchtdioden lässt der Regisseur Filmaufnahmen abspulen. Für einige Minuten tauchen in jeder Stunde auf der riesigen Leinwand Szenen mit Tauben, mit schäumendem Bier und aus einem Warenlager auf. „Damit wird das U eine weithin sichtbare Strahlkraft erreichen“, zeigte sich Fritz Pleitgen überzeugt. „Das wird eine enorme Wirkung haben.“

Die knapp 50 Millionen Euro teure Umgestaltung des Backsteinbaues gilt als eines der herausragenden Projekte des Kulturhauptstadtjahres. In den vergangenen zweieinhalb Jahren waren bis zu 500 Handwerker rund um die Uhr mit der Verwirklichung des Projektes beschäftigt. Architekt Eckhard Gerber nahm, wie er es selbst nennt, nur einen „kleinen chirurgischen Eingriff in den Altbau“ vor. Der „Wegschnitt“ der Geschoss-Deckenplatten entlang der östlichen Außenfassade ließ ein imposantes, offenes Treppenhaus entstehen – rund 40 Meter hoch. „Diese ,Vertikale‘ öffnet den Blick auf das Wahnsinnsvolumen des Gebäudes und gestattet eine sehr variable Nutzung“, erläuterte der Planer.

Dem „Zentrum für Kunst und Kreativität“ stehen 18 000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Den größten Anteil davon erhält das renommierte Museum am Ostwall, das in das Gebäude umzieht und dort ab September die Schätze seiner wertvollen Sammlung endlich umfassend zeigen kann. Hinzu kommen als weitere Nutzer der Hartware MedienKunst Verein, die Technische Universität Dortmund sowie die Fachhochschule Dortmund mit ihrem geplanten Forschungsinstitut für Bewegtbild-Studien.

Andreas Broeckmann, der Gründungsdirektor des Dortmunder U, möchte das Haus auf lange Sicht auch als Produktionsstätte für bildende Künstler etablieren. Schon ab 2011 würden wahrscheinlich erste Residenzen ausgeschrieben. „Dabei soll das Thema der Medienfassade, wie wir es hier am Gebäude haben, weiter entwickelt werden“, kündigte Broeckmann an.

Zum Prolog sind im Dortmunder U vier Ausstellungen zu sehen. Der Hartware MedienKunstVerein bietet zwei Schauen. „Agents & Provocateurs“zeigt, wie 30 Künstler sich mit Formen der Konfrontation beschäftigen (bis 18. 7.). „Building Memory“ setzt sich mit der Architektur von Gedenkstätten auseinander (bis 15. 8.). Die Fachhochschule Dortmund eröffnet mit „The Market“ einen Marktplatz der Bilder (bis 20. 6.). Die Technische Universität präsentiert in „tu/kultur“ ihre Wissenskulturen (bis 4. 7.).

di – do 10 – 20 Uhr

http://www.dortmunder-u.de

Quelle: wa.de

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