Nach Todesanzeigen jetzt Steine gegen Journalisten

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[Update 15.15 Uhr] DORTMUND - Rund fünf Wochen nach falschen Todesanzeigen von Journalisten und Kommunalpolitikern im Internet ist ein Reporter in Dortmund mit Steinen beworfen worden. NRW-Justizminister Kutschaty spricht von "brauner Gewalt". Das Opfer bekommt nun Polizeischutz. 

Der 43-Jährige war am Montagabend nach einer Neonazi-Kundgebung von Maskierten verfolgt und attackiert worden. Ein Stein haben ihn am Kopf getroffen, teilte die Polizei am Dienstag mit.

Der Journalist habe die Angreifer mit einer Schreckschusswaffe vertreiben können. Anschließend wurde er im Krankenhaus behandelt. Die Sonderkommission "Rechts", die bereits wegen der Todesanzeigen ermittelt, befasst sich auch mit diesem Angriff.

NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) hatte im Fall der Todesanzeigen von "brauner Gewalt" gesprochen.

Ermittlungen mit oberster Priorität

Der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange hat die Ermittlungen in dieser Angelegenheit zur obersten Priorität erklärt und die Soko "Rechts" zur Aufklärung dieses Falles um 12 weitere erfahrene Ermittlerinnen und Ermittler aufgestockt.

Bis zur Ausermittlung des Falles geht die Dortmunder Polizei zurzeit davon aus, dass dieser Vorfall im Gesamtzusammenhang der fortgesetzten Einschüchterungen und Bedrohungen von Journalisten, politisch Aktiven und anderen Dortmundern durch Rechtsextremisten in den letzten Monaten zu sehen ist.

"Wir haben gerade erst die Sonderkommission 'Rechts' eingerichtet, jetzt greifen wir auf die optimierten Strukturen dieser Kommission zurück und ermitteln mit absolutem Hochdruck!", erklärt der Dortmunder Polizeipräsident. "Die Leiterin der Soko 'Rechts' berichtet mir regelmäßig über den Fortgang der Ermittlungen." Darüber hinaus ist die Direktion Gefahrenabwehr beauftragt, die erforderlichen Schutzmaßnahmen für den betroffenen 43-Jährigen durchzuführen.

Polizeischutz für Opfer

Dem Opfer wird Polizeischutz gewährt. Dem Journalisten-Blog "Ruhrbarone", deren Mitglieder selbst Zielscheibe der Todesanzeigen-Aktion wurden, sagte der jetzt betroffene Journalist: "Bereits in der U-Bahn hatte ich ein komisches Gefühl. Mir waren mehrere Personen im typischen Outfit der rechten Szene aufgefallen."

In der Innenstadt sei die Situation eskaliert. Die in schwarz gekleideten Männer hätten ihn mit Steinen beworfen und gedroht, ihn umzubringen. Im Fall der Todesanzeigen sucht die Staatsanwaltschaft Dortmund weiter nach den Tätern. Sie versucht inzwischen an die Internet-Absenderadressen (IP-Adressen) heranzukommen. Aus Sicht der "Ruhrbarone" stammen die Todesanzeigen von Dortmunder Rechtsextremen.

Die Polizei bittet weiterhin um Hinweise von Zeugen. Wer hat den Vorfall beobachten können, wer kann Angaben zu den flüchtigen Tätern machen? Unter der Telefonnummer 0231/132-7441 nimmt die Kriminalwache der Dortmunder Polizei Hinweise von Zeugen entgegen. - dpa/ots

Quelle: wa.de

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